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4 Gründe warum Work-Life-Balance nichts mit moderner Führung zu tun hat

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Bildnachweis: © jesadaphorn – depositphotos.com

Bonding geht anders.

Über Work-Life-Balance wurden schon ganze Bücherregale vollgeschrieben. Immer wieder geht es darum, sich nicht von der Arbeit auffressen zu lassen. Einen Ausgleich zu schaffen.

Neben dem Job auch noch andere – erfüllende – Tätigkeiten auszuüben. Dinge, die den Akku wieder aufladen.

Man sprich von der sogenannten Quality Time – der wenigen Zeit, die man für die wichtigen Dinge im Leben hat. Und die soll man gut nutzen. Sich Zeit für die Familie nehmen oder fürs Hobby.

Das haben auch die Unternehmen verstanden. Sie haben verstanden, dass sie ihren Mitarbeitern genau diese Möglichkeiten bieten müssen. Genug Freiraum nämlich. Und zwar NEBEN der eigentlichen Arbeit.

Das wird umso wichtiger als Talente heute sehr schwer zu bekommen – und fast noch schwerer zu halten sind.

„Ich hab‘ den Größten…“

Und so legen die Arbeitgeber los – mit ihren Zusatzleistungen. Mit ihren Ideen, die die Arbeitsplatzattraktivität erhöhen und die Talente ans Unternehmen binden sollen.

Da kommt der obligatorische Kicker an den Start. Das betriebsinterne Fitnessstudio oder doch zumindest eine Kostenbeteiligung für den Freizeitsport.

Gern auch der Luxus eines Betriebskindergartens. Und natürlich die üblichen Verdächtigen wie flexible Arbeitszeit, Stundenkonten, Teamevents oder Dienstwagen.

Mal abgesehen davon, dass Unterstützung beim Thema Kinderbetreuung den Mitarbeitern schon gehörig den Rücken frei hält, ist dieser Geschenkeberg ziemlich wackelig.

Denn vier gefährliche Irrtümer höhlen ihn von innen aus.

1.  Arbeit ist eine Last

Work-Life-Balance unterstellt eine glasklare Wertigkeit: Arbeit ist die Last und Life die Freude im Leben. Damit ist Arbeit per Definition schon mal jeder Freude beraubt. Sie wird zur ausgleichsbedürftigen Bürde.

Das ist natürlich Quatsch. Menschen wollen wirken. Sie wollen etwas bewegen. Und sie wollen arbeiten.

Was beflügelt mehr: Chillen in der Hängematte oder einen wichtigen Kunden zu gewinnen? Ein Glas Limo auf der Terrasse oder das Carport fertig zu bauen?

Muße tut gut, ja. Als Pause. Euphorisch macht sie jedoch nie.

2.  Dienst ist Dienst…

Work-Life-Balance unterstellt, dass sich Arbeit und Freizeit klar voneinander trennen lassen. Ist man im Büro, dann ist man im Büro.

 Und zum Feierabend schließt man die Bürotür und lässt die Arbeit dort, wo sie hingehört: Im To-Do-Korb, im Aktenschrank, in der Werkstatt. Etwas – wenn auch nur gedanklich – davon mit nach Hause nehmen? Pfui! Da ist man echt Burnout-gefährdet. Man muss doch auch mal abschalten. Oder nicht?

 Tja, aber was ist, wenn mir unter der Dusche schlichtweg die geniale Idee für die Kundenpräsentation kommt? Ignorieren?

 Oder wenn mir in der Teeküche im Gespräch mit einem Kollegen das ideale Geburtstagsgeschenk für meine Freundin einfällt? Wieder abhaken?

 Blödsinn. Das menschliche Gehirn ist aktiv. Immer. Und es kennt keinen „Job-„ und keinen „Privat-Modus“. Menschen denken immer über alles Mögliche nach. Hinter jeder Tür kann ein großartiger Einfall lauern. Sei es die Büro, die Terrassen- oder auch die Dusch-Tür. Warum das unterbinden?

3.  Sangeskünste im goldenen Käfig

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Bildnachweis: © PixelsAway – depositphotos.com

Work-Life-Balance impliziert, dass Menschen durch bestimmte Bindungs-Instrumente von der Flucht abgehalten werden. Und dann trotzdem noch gleich gut leisten.

Na klar, und die Nachtigall im goldenen Käfig des Königs singt mindestens ebenso traumhaft wie ihre Kollegin im Wald.

Es ist doch vielmehr so, dass jemand, der innerlich gekündigt hat, nicht mehr seine volle Produktivität entfaltet. Und das wird auch nicht besser, wenn man um dessen Arbeitsplatz goldene Ranken zieht. Oder wenn man ihm gestattet, auf Betriebskosten noch ein bisschen Sport nach Feierabend zu machen.

Wir nennen die Pfeiler rund um die Work-Life-Balance auch gerne Fluchtverhinderungssysteme. Ein Begriff, den Reinhard Sprenger geprägt hat. Geschenke machen die Arbeit nicht besser, sondern sie machen es nur dem Mitarbeiter schwerer, die innerlich getroffene Entscheidung auch umzusetzen.

So leidet man doppelt. Der Mitarbeiter hat innerlich gekündigt, ist unproduktiv – und er geht trotzdem nicht.

4.  Leistungsträger lieben Leckerlis

Work-Life-Balance geht davon aus, dass durch Geschenke in Sachen Arbeitsausgleich Talente angezogen werden.

 Und so locken die Unternehmen, was das Zeug hält. Je mehr Ausgleich, desto mehr und größere Talente, so die Hoffnung.

 Doch die Talente bleiben aus. Trotzdem? Oder vielleicht gerade deshalb?

 Ihr erinnert euch vielleicht an unseren Blog zum Thema Talentgewinnung. All die wunderbaren Dinge, die die Unternehmen in die Waagschale werfen, ziehen ausschließlich die Mitarbeiter an, die einen solchen Ausgleich suchen.

 D.h. die Leute kommen wegen der „Goodies“ – nicht wegen der Arbeit. Sie kommen als Konsumenten – nicht als Mitstreiter. Und so ziehen die Unternehmen eher diejenigen heran, die eine ruhige Kugel schieben wollen.

 Denn Talente lockt ja eben nicht die Perspektive, sich besonders gut ausruhen zu können. Sondern Talente wollen ihr Talent einsetzen. Sie wollen etwas bewegen.

Sie werden also immer vielmehr von der eigentlichen Arbeit angezogen. Ist die spannend? Macht sie die Welt gegebenenfalls ein kleines Stückchen besser?

Der Wettlauf ums Goldene Kalb hat keine Sieger.

Und so leiden Unternehmen, die sich intensiv für Work-Life-Balance einsetzen noch mehr als vorher. Sie starten aus einer vermeintlichen Notwendigkeit, den Geschenkeberg aufzutürmen.

Und weil das nicht den erwünschten Erfolg bringt, baut man den Berg eben höher. Und immer höher. Frei nach der Devise: „Mehr vom Gleichen, denn es war scheinbar noch nicht genug.“

Und so wird ein Ausgleichsangebot nach dem anderen aufgesetzt. Irgendwann hat man wahrscheinlich nur noch Ausgleich und wundert sich, warum sich keine Euphorie einstellt, deren Energie sich in Welt-Klasse-Produktivität ihre Bahn  bricht.

Alle fragen nur noch: Was gibt’s nebenher? Was gibt’s obendrauf? Und ganz vorn dabei natürlich die dreiste Generation Y. Dabei ist genau dieses Anspruchsdenken ein absolut hausgemachtes Problem. Ein Zeichen dafür, dass die wirklichen Inhalte fehlen.

Menschen brauchen eine gute Arbeit. Nicht was Gutes neben der Arbeit.

So, und wie kriegen wir dann die Menschen an die Schreibtische? An die Werkbänke? An die Maschinen?

Ganz einfach: Erzählt ihnen Geschichten. Geschichten davon, wie ihr die Welt verändern wollt. Welche Probleme ihr lösen wollt und wofür ihr dabei Hilfe braucht.

Einige unserer Intrinsifier sind schon in dieser Richtung unterwegs. Vielleicht schaut ihr euch mal die Website von hhp an.

Was hier auffällt? Das Unternehmen listet eben nicht endlos Dinge auf, die die Arbeit ausgleichen sollen. Nein, hier dreht sich fast alles um die Arbeit selbst. Keine Verherrlichung  der Situation. Kein Vorgaukeln eines Kinderferienlagers.

Vielmehr ein ganz gezielter Fokus auf den Problemen, die hhp löst. Das Unternehmen spricht immer von Arbeitsbedingungen, die sie bereitstellen. Niemals von Ausgleichsangeboten.

Was ist mit euch? Strebt ihr noch nach Work-Life-Balance? Weil euch die Arbeit verleidet wird? Oder dürft ihr schon Erfüllung in der Arbeit selbst finden? Für mehr happy working people!

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Geschrieben von

Blogauthor Mark Poppenborg intrinsify.me
Mark Poppenborg

Mark ist Unternehmer und Vortragsredner. Und vor allem ist er unser Gründer. Mark führt seine tiefgreifenden Erkenntnisse auf unkonventionell inspirierende Weise in seinen Speaker-Auftritten, Seminaren und Management-Sparrings der Wirtschaft zu. Seit seiner ersten Gründung 2010 hat Mark viele weitere Unternehmen und Projekte initiiert. Insofern ist er nicht nur als Vordenker sondern auch als Vormacher bekannt. Er kombiniert seine aufklärerischen und desillusionierenden Impulse stets mit praktischen Inspirationen und Handlungsanweisungen.

Erschienen am

Montag, 22. Juni 2015

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Bastian
Gast
Bastian

Hey Mark,

ein Klassiker! Danke für deinen Artikel. Aus dem Grund habe ich mal den sperrigen Begriff „Heterautonomy“ in den Raum geworfen:

„heteronomy (engl.): Fremdbestimmung
autonomy (engl.): Selbstbestimmtheit

Statt Work und Life als unklare und ausgleichswürdige Pole zu verstehen, setzt der Begriff der Heterautonomy fremdbestimmte und selbstbestimmte Arbeit in den Mittelpunkt der Unterscheidung.

Fremdbestimmte Arbeit ist alles, was nicht selbstbestimmt ist. Und selbstbestimmt ist jede freiwillige Arbeit, die einem sinnvoll erscheint.“

Hier weiteres dazu: http://www.the-new-worker.com/heterautonomy-oder-work-life-balance/.

Bis Samstag in Hannover!

LG
Bastian

Mark
Gast
Mark

Großartige Unterscheidung, Bastian.

Axel Kersten
Gast
Axel Kersten

Ja, Mark, sehr gut geschrieben, bin voll bei dir.
Und so langsam kommt es ja auch an in vielen Unternehmen, dauert allerdings viel zu lange…

Ardalan Ibrahim
Gast
Ardalan Ibrahim

Ich will aber trotzdem nicht mehr arbeiten. Auch nicht selbstbestimmt. Lieber tun, was ich will und „nie mehr arbeiten“… 😉 : http://www.frohesschaffen.wfilm.de/Frohes_Schaffen/Film.html — Und „Balance“ will ich trotzdem. Auch zwischen all den vielen verschiedenen Dingen, die ich tun will und die ich ALLE nicht „Arbeit“ nenne: http://www.amazon.de/Das-Gesetz-Balance-Chinesisches-Gesundheitswissen-ebook/dp/B009KRDY3E/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1434990731&sr=1-1&keywords=das+gesetz+der+balance Ob ich es also „Arbeit“ oder anders nenne: Meine Probleme bleiben bestehen. Auch bei „guter Arbeit“. — Aber meine Unternehmen können mich mehr oder weniger dabei „stören“, meine Balancen immer wieder neu auszutarieren. — Machen muss ich das aber dann erst recht selber. — Schon blöd, diese ganze Selbstverantwortung, bei der ich auf… Weiterlesen »

Anna Breitenöder
Gast
Anna Breitenöder

Ein sehr interessanter Artikel, der allerdings polarisiert. Ja, noch viel mehr Menschen sollten danach streben, Erfüllung in ihrer Arbeit zu finden. Da stimme ich absolut zu. Jedoch, auch erfüllende Arbeit braucht Ausgleich. Dabei geht es nicht um den Einfall unter der Dusche oder beim Watercooler, sondern, um generelle Auszeiten in der „Gegenwelt“, einer Welt, die uns von der Arbeit abschalten lässt (das kann ja durchaus auch etwas sein, wobei wir uns erfüllt fühlen, wie z.B. Spielen mit den Kindern, Rausgehen mit dem Hund, Radfahren etc.). Denn, selbst wenn man für etwas brennt, oder gerade dann, muss man wirklich aufpassen, dass… Weiterlesen »

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