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6 Gründe warum Teilnehmer Events besuchen

Wovon willst Du mehr in der Welt sehen?

6 Gründe warum Teilnehmer Events besuchen

Ohne es je vorgehabt zu haben, bin ich ja irgendwie zum Eventveranstalter geworden. Hunderte Veranstaltungen haben wir mit intrinsify inzwischen auf dem Buckel, Dutzende davon habe ich mitorganisieren dürfen. Und während ich so auf den Erfahrungen aus unserem pathfinder Festival herumkaue, glaube ich sechs wesentliche Gründe identifiziert zu haben, wegen denen Menschen auf Veranstaltungen gehen.

Wenn Du selbst auch Events organisierst, dann könnte Dir diese Liste helfen. Denn wenn keiner dieser Motive bedient wird, dann ist auch nicht mit durchschlagendem Veranstaltungserfolg zu rechnen. Vielleicht müsste man aus aktuellem Anlass die Cebit mal dahingehend durchleuchten.

Und wenn Du Dich gelegentlich selbst fragst, warum Dir manche Veranstaltungen als Teilnehmer besser gefallen als andere, dann könnte diese Liste womöglich auch als Hinweis dienen.

Grund #1: Die rote Pille schlucken

Fangen wir mit meinem Hauptgrund an. Ich gehe auf Veranstaltungen, wenn ich glaube, Matrix-Momente erleben zu können.

Für mich ist der Matrix-Moment die Szene, in der Neo sich entscheidet, die rote Pille zu schlucken. Diese Entscheidung öffnet ihm das Tor zu einer vollständig neuen Sicht auf die Welt. Es ändert grundlegend sein Verständnis.

Und was man einmal verstanden hat, kann man nicht wieder entverstehen.

Neo kann nicht wieder zurück. Matrix-Momente sind „moments of no return“. Nachdem wir sie hatten, handeln wir für gewöhnlich anders, denn sie ändern unser Weltbild.

Das ist natürlich ein großer Anspruch an Veranstaltungen und leider erfüllt er sich nicht immer. Aber genau mit dieser Hoffnung besuche ich sie.

Ich hatte schon einige solcher Momente im Leben: Als ich Paleo entdeckt habe zum Beispiel. Oder als ich die Blockchain kennenlernte. Oder natürlich als ich Luhmann endlich im Kern verstanden hatte.

Oft fragen Teilnehmer auf Events: Was mache ich denn jetzt damit? Ich glaube, bei Matrix-Momenten ist das eine unnötige Frage. Denn die wesentliche Veränderung findet ja im Moment des Verstehens statt. Da man eben nicht entverstehen kann, folgen zwangsläufig andere Verhaltensweisen.

Und da man für selbige selbst verantwortlich ist, braucht man nicht andere danach fragen, was man mit den Erkenntnissen anstellen sollte. Damit würde man sich ja bevormunden lassen, sprich seine eigene Verantwortung abgeben.

Grund #2: Menschen kennenlernen

Ein weiterer wesentlicher Grund für den Besuch von Veranstaltungen liegt auf der Hand: Man will sich vernetzen. Für manche steht dabei das Business im Vordergrund, für andere der urmenschliche Trieb nach sozialer Zugehörigkeit.

Für Veranstalter heißt das: Vernetzung nicht strukturell verhindern, sondern fördern. Wir hatten auf unserem pathfinder Festival beispielsweise 24 sogenannter Reisegruppen für Teilnehmer mit sich ähnelnden Hintergründen zusammengestellt. Selbigen haben wir blöderweise nicht ausreichend viel Zeit eingeräumt, sodass das Konzept nicht 100% aufging. Nächstes Mal dann.

Grund #3: Wissen tanken

Auch dieser Grund liegt auf der Hand. Es gibt Veranstaltungen, da kann man etwas lernen. Da geht es schlicht und ergreifend um die Wissensvermittlung. Wer mit einem Lernmotiv zu einer Veranstaltung fährt, prüft vorher, ob die angekündigten Gäste oder vermuteten Teilnehmer Kompetenzverdacht erregen.

Veranstalter, die den Wissensdurst befriedigen wollen, sind entsprechend gut beraten, die Kompetenz von Speakern in den Vordergrund zu stellen.

Grund #4: Sich unterhalten lassen

Ich habe den Eindruck, dass dieser Grund von Veranstaltern tendenziell grandios überschätzt oder hoffnungslos unterschätzt wird. Wie auch bei den anderen Gründen beziehe ich mich hier natürlich auf Veranstaltungen, die irgendeinen Bezug zu Arbeit haben. Wer zu einer Comedy-Show geht, will selbstverständlich unterhalten werden. Klar.

Aber bei Veranstaltungen mit Business-Bezug ist das ein schmaler Grad. Übertreibt man es mit der Unterhaltung wird dem Event schnell unterstellt, es versuche seine mangelnde Substanz durch Unterhaltung zu kompensieren. Oder es verschwende die kostbare Zeit der Teilnehmer (»Dafür hab ich nicht gezahlt«).

Verzichtet man auf Unterhaltung sind die Teilnehmer schnell gelangweilt und vor allem koppeln sie sich nicht emotional an die Veranstaltung. So ist es deutlich schwerer in guter Erinnerung zu bleiben und Loyalität zu erzeugen.

Grund #5: Sich positionieren

Viele Teilnehmer nutzen Veranstaltungen zur Vermarktung der eigenen Person bzw. des eigenen Unternehmens. Das wird selten gerne gesehen, weshalb die Balzrituale oft subtil stattfinden müssen, idealerweise über Inhalte.

Deshalb suchen viele Teilnehmer nach Möglichkeiten, sich selbst zeigen zu können. Nicht ganz ohne Grund sind Open Space Veranstaltungen und BarCamps auch bei positionierungsmotivierten Teilnehmern beliebt, da sie eine willkommene Gelegenheit zur recht unaufdringlichen Selbstdarstellung bieten.

Ich persönlich halte das für wenig verwerflich. Ich schmunzle bloß manchmal über das ungeheuere Ungeschick, wenn aus dieser guten Gelegenheit billige Werbekampagnen werden, welche die Teilnehmer nicht selten durch das Verlassen des Raums quittieren.

Als Veranstalter muss ich natürlich selbst ein Interesse daran haben, solche Akquisegebaren möglichst unwahrscheinlich zu machen. Wir sind recht froh darüber, dass sich selbige bei uns im intrinsify Netzwerk sehr selten beobachten lassen.

Grund #6: Sich identifizieren

Dieser Grund ist vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennbar, aber unglaublich gewichtig geworden. In einer zunehmend differenzierten und unsicheren Welt suchen Menschen nach Möglichkeiten, Unsicherheiten zu absorbieren.

Diese Funktion der Unsicherheitsabsorbtion leisten Sinngemeinschaften, Netzwerke, Communities oder Tribes (letztlich alles das gleiche). Gleichgesinnte zu finden, die für eine ähnliche Sache eintreten, leistet einen extrem identitäts- und damit sicherheitsstiftenden Beitrag.

In einer Zeit in der Religionen nicht mehr für jeden anschlussfähig sind, politische Gesinnungen außer bei extremen Positionen kaum zur ausreichenden Abgrenzung beitragen können (jeder will halt in die politische Mitte) und viele die Familie nur noch selten zu Gesicht bekommen, ist die Suche nach Ersatzreligionen groß.

Und so sehr wir uns bei intrinsify für eine aufklärerische, ideologiearme und vielfaltsfördernde Position stark machen, so stehen wir natürlich trotzdem für gewisse Standpunkte und Überzeugungen, mit denen sich scheinbar viele identifizieren können.

Wovon willst Du mehr in der Welt sehen?

Uns geht es um Freiheit, Fortschritt und eine lebenswertere Arbeitswelt. Davon wollen wir mehr in der Welt sehen. Und so sind wir für manche auch eine Art Ersatzreligion, wenngleich mir bewusst ist, dass dieses Wort ungewünschte Assoziationen auslösen kann.

Veranstalter tun also durchaus gut daran sich zu fragen, wofür sie eigentlich stehen. Wovon wollt ihr mehr in der Welt sehen, liebe Veranstalter?

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Geschrieben von

Blogauthor Mark Poppenborg intrinsify.me
Mark Poppenborg

Mark ist Unternehmer und Vortragsredner. Und vor allem ist er unser Gründer. Mark führt seine tiefgreifenden Erkenntnisse auf unkonventionell inspirierende Weise in seinen Speaker-Auftritten, Seminaren und Management-Sparrings der Wirtschaft zu. Seit seiner ersten Gründung 2010 hat Mark viele weitere Unternehmen und Projekte initiiert. Insofern ist er nicht nur als Vordenker sondern auch als Vormacher bekannt. Er kombiniert seine aufklärerischen und desillusionierenden Impulse stets mit praktischen Inspirationen und Handlungsanweisungen.

Erschienen am

Samstag, 1. Dezember 2018

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