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Blockchain – wieso Dich diese Technologie interessieren sollte

Unser neuer Austausch zu Digitalem und Technik in der Neuen Wirtschaft

Als Digitalstratege und Podcaster bin ich in den Themen der Neuen Wirtschaft schon lange unterwegs. Ab heute schreibe ich auf dem intrinsify Blog zu Themen wie Virtual Reality, Blockchain, Chat-Bots und AI und möchte damit Entscheidern und Gestaltern neue Technologien näher bringen, Möglichkeiten aufzeigen, Dir Orientierung geben und Dich mit Fakten, interessanten Infos und einer Grundlage versorgen. Denn ich glaube, wenn ich die Zusammenhänge zwischen der Neuen Wirtschaft und diesen neuen Technologien aufzeige, kann ich so auch andere ermuntern, diese Welt mitzugestalten.

Da ich schon seit vielen Jahren sehr tief und fachlich in diesen Themen unterwegs bin kann es schonmal passieren, dass ich zu nerdig werde – und weil ich es liebe, mich mit anderen auszutauschen, hilft mir Lena Stiewe vom intrinsify Team dabei, je einen Schwerpunkt herauszugreifen und nicht völlig ins Technische abzudriften. 😉 Wir schauen also gemeinsam darauf, was Du wissen solltest und wie Dir ein Einstieg gelingt, und beginnen mit dem Thema „Blockchain“.

Blockchain - wieso Dich diese Technologie interessieren sollte

Bildnachweis: © AnSim- depositphotos.com

 

Lena: Seit einigen Jahren ist ja Blockchain auf keiner Konferenz mehr wegzudenken. Warum eigentlich?
Bastian: Gut, dass du nicht fragst, was die Blockchain ist. Der Journalist und Blogger Friedemann Brenneis hat hier eine tolle Linkliste veröffentlicht, die sich super fürs Selbststudium eignet. Danach sollten keine großen Fragen mehr offen bleiben. Klingt nach Arbeit? Das ist es auch. Ich befasse mich seit etwa fünf Jahren mit dem Thema und täglich lerne ich Neues.

Diesen Weg kann sich natürlich nicht jeder leisten. Dafür gibt es dann die ganzen Konferenzen, in denen versucht wird das Thema anschaulicher zu erklären.

Ich bin überzeugt, dass die große Nachfrage nach Vorträgen und Beratung zum Thema nicht nur aus der Unwissenheit rührt, sondern vor allem aus Zukunftsszenarien, die sich bei dem Thema ergeben können.

Ein paar Beispiele:
Durch eine DAPP (Decentralised Application) für Ethereum (eine öffentliche Blockchain) lässt sich relativ einfach ein Maut-System für Privatstraßen erstellen. Die Infrastruktur ist verschwindend günstig und benötigt praktisch keine Dienstleister mehr: Weder Insfrastruktur- und Serveranbieter oder Bezahldienstleister.

Oder nehmen wir die Heimatbranche Energie meines Arbeitgebers, der EWE AG. Vom Energiegroßhandel über den Stromverkauf unter Nachbarn bis hin zur Einbindung von E-Automobilen und Privathausspeichern für das Management der Netzstabilität: Die Einsatzszenarien sind vielfältig und prototypisch erfolgreich getestet.

Das Hauptbeispiel ist Bitcoin. Für einfache Bezahlungen benötigt man keine Zahlungsdienstleister oder Banken. Und durch neue Technologien wie den Lightning-Ansatz könnte Bitcoin schon in naher Zukunft massentauglich im alltäglichen Zahlungsverkehr genutzt werden (bisher ist die Anzahl an Transaktionen beschränkt). Gerne wird das Narrativ vom „Ausschalten von Intermediären“ erzählt und sowohl übertrieben, als auch verkürzt dargestellt.

Klar, dass es bedrohlich wirkt, wenn man sagt, dass man in der Zukunft vielleicht keine Energieversorger oder Banken braucht. Warum das so einfach nicht ist, habe ich hier mal vor zwei Jahren aufgeschrieben.

Befeuert wird die Aufmerksamkeit durch Bitcoin-Klone (etwas vulgär auch Shitcoins genannt) und neue (theoretische) Alternativen zu Blockchain-Technologien, die sich aber erst noch beweisen müssen. Dennoch hindert das private und zunehmend auch institutionelle Anleger nicht daran viele Millionen Dollar in sogenannte ICOs (Initial Coin Offerings) zu investieren.

Lena: Lass uns das doch mal an einem Beispiel konkret machen – nehmen wir das Maut-System. Wo siehst Du da die Vorteile? Was würde sich denn dadurch ändern? Wer hat dann die Macht? Wer müsste das administrieren? Wer initiiert das Ganze? 
Bastian: Das Projekt Oaken hat Anfang 2017 gezeigt, wie ein Maut-System aussehen könnte. In dem Beispiel hat man sich an einer Schranke angestellt und eine RFID oder NFC Karte vor einen Kartenleser gehalten. Dann findet eine automatische Überprüfung statt, ob der Kartenhalter die Straße befahren darf und was das kostet. Nach Durchführung einer Transaktion öffnet sich die Schranke. Relativ simpel. Das Wertversprechen ist, dass es keine großen Rechenzentren zur Datenadministration mehr benötigt. Alle Bedingungen werden in einem Smart Contract festgehalten.

Die „Datenhaltung“ (in Form dieser Smart Contracts und der Bestätigungen der Transaktionen) findet auf der entsprechenden Blockchain statt. Das Projekt ist im Rahmen eines Hackathons entstanden und soll die Möglichkeiten der Technologie ausloten. Entsprechend ist das Projekt weder ausgerollt, noch ist es geplant.

Lena: Wo ist der Einsatz von Blockchain-ähnlichen Technologien denn grundsätzlich sinnvoll?
Bastian: Erstmal spricht nichts dagegen, dass man ohne Überlegung der Sinnhaftigkeit versucht in jeder beliebigen Branche oder Wertschöpfungsstufe Implementierungen auszuprobieren. Oft zeigt sich ja erst im Prozess, ob es ein vielversprechender Anwendungsfall sein könnte.

Aktuell sind Bereiche naheliegend, in denen es derzeit eine zentrale Instutition benötigt, die für die Richtigkeit und Sicherheit von Daten oder Werten verantwortlich ist und im Zweifel haftbar gemacht werden kann. Das bedeutet dann nicht automatisch, dass diese dann nicht mehr benötigt wird, sondern erstmal „nur“, dass sich ihre Wertschöpfungsstruktur ändern wird.

Ein Beispiel: Wenn ich eine Taxifahrt mit einer Kryptowährung bezahle, dann benötigt man nur zwei Smartphones. Im Hintergrund wird die Transaktion über die am Netzwerk beteiligten Knoten bestätigt, die wiederum für diese Arbeit mit der entsprechenden Kryptowährung incentiviert werden. Heute läuft es oft noch so, dass ich mit einer Kreditkarte bezahle, die mir meine Bank ausgehändigt hat und die von z.B. VISA betrieben wird. Diese wird durch eine Maschine eines Herstellers gezogen. Im Hintergrund laufen verschiedene Abgleiche zwischen Akteuren der Zahlungsabwicklung statt (wie das genau funktioniert, zeigt dieses tolle Erklärvideo). Und jeder der Akteure möchte ja sein Stück vom Kuchen haben. Für mich als Nutzer hat es keine Vorteile.

Lena: Aber nehmen wir mal bei dem ganzen Thema „Blockchain“ die Zweifel und die Angst vor kriminellem Missbrauch: Läuft die Technologie nicht durch diese Sorgen und die Verteufelung auf eine staatliche Kontrolle hinaus, obwohl es ja gerade entwickelt wurde, um staatliche Kontrolle zu vermeiden?
Bastian: Die Sorgen und Ängste werden durch Beispiele genährt, in der Kryptowährungen für Erpressungen oder für den Kauf von Drogen oder illegal organisierten Daten beschafft wurden. Tatsächlich wäre es maßlos übertrieben zu sagen, dass eine kollektive Sorge herrscht. Ich würde es eher als gesunde Skepsis bezeichnen. Gerade im Bereich der Anwendungen wünsche ich mir – wie die meisten Personen, die im unternehmerischen Kontext mit Blockchain arbeiten – juristische Rahmenbedingungen.

Grundsätzlich ist die Technologie nicht regulierungsfähig. Es handelt sich ja eben nicht um einen zentralen Server in einem Land. Blockchain ist maximal international und ist gleichzeitig überall und nirgendwo. Das heisst auch, dass es keine Kontrolle geben kann. Die oben angesprochenen Rahmenbedingungen sehe ich eher in der Anwendung der Technologie im deutschen (oder europäischen) Rechtsraum.

Lena: Was ist Deine Lieblingsvision der Blockchain?
Bastian: Auch wenn ich größtenteils im Präsens denke und handle, gibt es tatsächlich eine Vision, die ich für realistisch und sehr attraktiv halte: Die Decentralised Autonomous Organizations (DAOs). Diese neue Art einer Unternehmensform wird durch sogenannte Smart Contracts und Abstimmmechanismen gesteuert. So benötigt es keine zentrale Führung und man hat 100%ige Nachweise über Entscheidungen und Projektfortschritte. Der erste mutige Versuch im Juni 2016 ist grandios gescheitert. Zwar habe auch ich dort Lehrgeld bezahlt aber aus dem Scheitern konnten alle Beteiligten viel lernen.

Interessant finde ich auch das Universal Sharing Network von Slock.it als kleinere, aber nicht minder ambitionierte Vision. Sie wird derzeit mit ausgewählten Technologiepartnern verprobt. Die Idee ist, dass man alles was vermietbar ist, vermieten kann. Als Nutzer erhält man eine Übersicht in Form einer Karte, wo was vermietet (oder verkauft wird) und man unabhängig von Airbnb, Banken & Co. die Gegenstände nutzen und bezahlen kann.

Lena: Was empfiehlst Du Menschen, die diese Technologie mehr verstehen wollen?
Bastian: Grundsätzlich: Ausprobieren. Aus Selbstzweck. Mal einen Kaffee mit Bitcoin bezahlen. Den Großeltern zu Weihnachten eine Paper-Wallet schenken und ihnen erklären (wie einfach das geht, habe ich als Instastories veröffentlicht. Oder im Business-Umfeld mit anderen Interessierten (insb. Developern) einen Prototypen einer Anwendung entwickeln.

Für die Grundlagen empfehle ich immer „zur Quelle“ zu gehen. Das Whitepaper von Satoshi Nakamoto lesen. Das Buch Cryptocurrency von Paul Vigna. Vitalik Buterin und Gavin Wood auf Twitter folgen (Co-Gründer/Entwickler von Ethereum). Und ganz wichtig: Noch kritischer als sonst sein, wenn man vom nächsten großen Blockchain-Projekt hört.

Lena: Also hilft nur, sich selbst ganz konkret damit auseinanderzusetzen, sich mal ein Wallet anzulegen, aktiv zu tauschen, und so weiter. Was antwortest Du denn dann den Leuten, die das gesamte Thema Kryptowährung für eine Blase halten?
Bastian: Über die Jahre reifen ja Ansichten und Verhaltensweisen – gerade bei mir :). Während ich früher direkt losargumentiert habe, stelle ich heute oft die Frage: Was genau meinst du eigentlich? Geht’s um eine spezielle Kryptowährung? Geht es um Investitionen über ICOs in Projekte ohne Substanz? Geht es um die werberische Präsentation von Anwendungsfällen aus der Industrie? …

Das Thema ist so verteilt und dezentral, wie die Technologie selbst. Das bedeutet auch: Sollte alles zusammenbrechen, wird nicht viel passieren, da im Unterschied zum Bankensystem, (noch) keine kritischen gesellschaftlichen Systeme an der Technologie hängen.


Was sollen wir als nächstes beleuchten? Zu welchem Thema rund um Digitales & Technik wünscht Du Dir mal meinen Blick? Ich freue mich über Vorschläge in den Kommentaren!


Vertiefungssession für Mitglieder

In der Vertiefungssession mit Bastian, Lena und Mitgliederfragen zum Thema „Blockchain“ haben wir Beispiele konkreter gemacht, einzelne Branchen herausgegriffen und auf deren Berührungspunkte mit der Blockchain geschaut, über gesellschaftliche Dimensionen gesprochen und darüber, ob Deutschland durch die hier typische Skepsis gegenüber Neuem und der Bargeldaffinittät vielleicht bald hinterherhängt. 

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Geschrieben von

Blogauthor Bastian Wilkat intrinsify.me
Bastian Wilkat

Bastian Wilkat befasst sich als Investmentmanager der EWE AG mit digitalen Technologien und Geschäftsmodellen, die für den Konzern zukünftige Erlösquellen darstellen können. Dazu spricht er auch in seinem Podcast „Der Flaneur“ mit erfahrenen Gästen aus Wirtschaft und Forschung.

Wenn es die Zeit zulässt, ordnet er in Vorträgen, Panels und Artikeln die Auswirkungen der neuen Technologien für ein breiteres Publikum ein.

Bastian mag Kaffee, Gewichte und gute Ideen.

Erschienen am

Donnerstag, 19. Juli 2018

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