Blogauthor Mark Poppenborg
von Mark Poppenborg  

Mark ist Unternehmer und Vortragsredner. Und vor allem ist er unser Gründer. Mark führt seine tiefgreifenden Erkenntnisse auf unkonventionell inspirierende Weise in seinen Speaker-Auftritten, Seminaren und Management-Sparrings der Wirtschaft zu. Seit seiner ersten Gründung 2010 hat Mark viele weitere Unternehmen und Projekte initiiert. Insofern ist er nicht nur als Vordenker sondern auch als Vormacher bekannt. Er kombiniert seine aufklärerischen und desillusionierenden Impulse stets mit praktischen Inspirationen und Handlungsanweisungen.

Die drei wahren Gründe, warum Apple so erfolgreich ist

28. Januar 2016    Keine Kommentare
Die drei wahren Gründe warum Apple so erfolgreich ist

Photonachweis: © Palau83 – depositphotos.com

Denkfehler Survivorship Bias

Auftakt-Workshop. Der oberste Führungskreis trifft sich zur jährlichen Einschwörung auf das kommende Jahr. Und dieses Jahr kommt viel auf sie alle zu – das ist jedem klar. Grundsätzliche Veränderungen stehen an, wahrhaft große Schritte sind gefragt.

Wenn es nach vorn gehen soll, braucht es vor allem eines: bessere Führungskräfte. Also bekommt die Führungsmannschaft dieses Jahr eine Intensivkur. Dafür hat man extra einen professionellen Speaker eingeladen.

Er soll Orientierung geben. Von den Besten berichten. Was machen die herausragenden Unternehmer und Führungskräfte anders?

Richard Brandson wird genannt, Reinold Messner und natürlich Steve Jobs. Die üblichen Verdächtigen eben. Am Ende des Vortrages erinnert der Speaker an Titus Dittmann – ein Unternehmer, der das Skater-Business groß gemacht hat.

Er erzählt von dessen Auf und Ab. Und er schließt mit der Erkenntnis: Es kommt vor allem auf eines an: Durchhaltevermögen. Schaut her, Titus hat es eindrucksvoll bewiesen.

22 Millionen Euro in drei Jahren in den Sand setzen. 22 Millionen Euro, die du nicht hast. Banken kontrollieren dein Unternehmen, Lieferanten stehen drängelnd auf der Matte. Aus einer solchen schweren Krise kommst du nur, wenn du durchhältst und an dich und deine Idee glaubst. Dann schaffst du es. So wie Titus. So muss man sein.

Jetzt weiß unser Führungskreis also Bescheid.

Erfolgsrezepte

Wir lieben sie, diese Erfolgsgeschichten. Diese Helden-Stories. Ganze Bücherregale lassen sich damit füllen – wie man mit seinem Unternehmen am besten durch die Decke geht:

„Erfolgreiche Leader glauben an sich selbst“, „Top-Unternehmen haben eine hohe Diversity“, „Die 7 Angewohnheiten erfolgreicher Unternehmer“. Oder auch: „Die wirksamsten Führungskräfte der Welt machen jeden Tag das Wichtigste zuerst, nicht das Dringendste“. Merken.

Morgens Zähne putzen. Ach so.

Das Denken, das diesen Pseudo-Erkenntnissen zugrunde liegt, ist, dass Erfolg ganz konkreten und ziemlichen einfachen Mustern folgt.

Also versuchen wir, solchen Beispielen nachzueifern. Manche sehen sich Heldenfilme an. Wieder andere lesen vielleicht die Biographie von Steve Jobs.

Wir schauen genau hin und versuchen, über die Beispielfiguren unseren Charakter zu definieren: Wie müssen wir werden, damit wir auch ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen? Wie müssen wir sein, damit uns alle mit Rosen bewerfen?

Die besten CEOs der Welt putzen sich morgens die Zähne. Verdammt, hätte ich das mal früher gewusst. Es kann also auch noch bei mir klappen.

Ab jetzt bauen wir an unserer Marke. Und vielleicht werden wir tatsächlich erfolgreich. Und, zack, tappen wir in die Denkfalle: „Siehste. Gemacht. Und erfolgreich geworden. Klappt also.“ Eben nicht. Der Erfolg tritt nicht DESHALB ein. Er tritt einfach ein. Punkt. Keiner weiß genau, warum.

Die Erfolgreichen im Rampenlicht

Über die Kausalitätsfalle und darüber, wie gefährlich Rezepte sein können, haben wir schon gesprochen. Z.B. hier.

Daneben lauert noch eine weitere Denkfalle: Der sogenannte Survivorship Bias. Ein handfester Fehlschluss, der uns immer wieder ereilt: Wir sehen Erfolg. Und blenden den Misserfolg daneben völlig aus.

Wir sehen einen berühmten Schauspieler. Und wir denken: „Aha. Genauso mache ich das auch. Und dann werde ich auch berühmt.“ Dabei vergessen wir vollkommen die riesige Zahl an Schauspielern, die ihr Handwerk Eins A beherrschen, es aber trotzdem nie ganz nach oben geschafft haben.

Der Grund für diese Verzerrung: Erfolge erzeugen eine größere Sichtbarkeit im Alltag als Misserfolge, und so neigt man systematisch dazu, die Aussicht auf Erfolg zu überschätzen.

Gewonnen = Held.

Schnuppert man am Erfolg, so wird er schnell übermächtig. Es gelingt beispielsweise nur den Wenigsten, sich am Roulette Tisch zu beherrschen, wenn sie zweimal richtig gesetzt haben. Sofort ist er da, der Gedanke, man hätte eine Glückssträhne.

Sogar in einem ausschließlich glücksbasierten Würfelspiel wird jemandem, der zwei- bis dreimal hintereinander gewinnt, eine Heldenrolle zugesprochen.

Der Sieger fühlt sich mächtig. Und die anderen zweifeln an ihren Fähigkeiten und schielen sehnsüchtig auf den Würfelhelden: Was für ein krasser Typ. So will ich auch sein. Obwohl es komplett irrational ist.

Diejenigen, die erfolgreich sind. Diejenigen, die gewinnen. Auf die richten wir unser Augenmerk. Von denen kann man schließlich etwas lernen. Und von den anderen? Von denen hören wir nichts.

Scheitern als Makel

Es gibt keine Berichte über die Titus Dittmanns, Steve Jobs, Richard Brandsons oder Reinold Messners dieser Welt, die genauso waren wie ihre erfolgreichen Vetter – aber  inzwischen in der Gosse leben, bei einer Wette alles verloren haben, im Knast gelandet oder vielleicht beim Klettern am Berg gestorben sind.

Versager vergeblich gesucht.

Wir hören und lesen nichts von ihnen – auch, weil Menschen, die gescheitert sind, sich dessen schämen.

Wir haben die Neigung, Scheitern als eine peinliche, fast schon armselige Eigenschaften zu sehen. Deshalb können wir uns fast nichts Schlimmeres vorstellen, als zu scheitern.

Selbst, wenn man diese Menschen studieren WOLLTE, wäre es also gar nicht so leicht sie aufzutreiben. Dabei ist Scheitern völlig normal. Völlig gesund. Und viel, viel häufiger als Erfolg.

Neun von zehn Ideen scheitern

In Ann Arbor (Michigan) unterhält der deutsche Marktforschungsriese GfK ein Lager, in dem man die gescheiterten Produkte dieser Welt findet: Breakfast Cola, Shampoo für ölige Haare, koffeinhaltige Biere, selbst-erhitzbare Suppendosen, die dazu neigten zu explodieren, während Kunden sie geöffnet haben und vieles mehr.

Dieses „Museum of Failure“ ist rappelvoll. Und es demonstriert eine simple Erkenntnis: Es gibt KEIN REZEPT für Erfolg. Denn wenn es eines gäbe, würde niemand mehr scheitern, wir wären allesamt Millionäre. Und irgendwie würde das Ganze auch keinen Spaß mehr machen.

Deshalb jetzt die bittere Pille: DIE DREI GRÜNDE WARUM APPLLE WIRKLICH ERFOLGREICH IST: GIBT ES NICHT. Auch wenn es noch so schön wäre.

Scheitern – so früh es geht

Und was mache ich jetzt mit dieser Erkenntnis? Ich habe zwei Empfehlungen:

  1. Versuche niemals, jemand anderer zu sein. Das macht dich nicht erfolgreicher.
  2. Versuche, schnell zu scheitern. Wenn es stimmt, dass mehr als neun von zehn Ideen scheitern, dann solltest du so früh wie möglich herausfinden, ob deine Idee dazu gehört.

Orientiere dich an dem Lean Startup Ansatz – allerdings ohne diese clevere Philosophie wieder als Rezept zu verstehen.
Du brauchst auch das Buch von Eric Ries nicht lesen. Okay, das ist eine miese Empfehlung, denn ich habe es auch nicht gelesen und kann deshalb nichts zu dem Buch sagen. Aber die Botschaft glaube ich kapiert zu haben.

Als ich Paleo Jerky gegründet habe, habe ich während eines Filmabends mit Strikingly auf dem Sofa flink eine mehr schlechte als rechte Website gebaut – und einen Paypal Button integriert. Am nächsten Tag habe ich die Seite auf Facebook gepostet und ein paar Anzeigen geschaltet. Plötzlich kamen die ersten Bestellungen.

Mein Mitgründer (der neben mir auf dem Sofa saß) und ich haben uns bei den Interessenten entschuldigt und ihnen zunächst ein Konkurrenzprodukt geschickt. Erst jetzt haben wir angefangen, uns um unsere eigene Rezeptur zu kümmern. Denn jetzt wussten wir schon mal, dass die Idee funktionieren könnte.
Und genau darum geht es am Anfang: Herauszufinden, ob es funktioniert. So schnell wie möglich. Ohne eine GmbH zu gründen. Ohne all die anderen Dinge zu tun, die einen davon abhalten, die Wahrheit zu erfahren. Genauso haben wir es auch mit der Future Leadership eAcademy gemacht.

Und als ich versucht habe, mit Freunden Bambus-Zahnbürsten in England zu verkaufen, hatten wir auch keine Gesellschaft, keine Visitenkarten, keinen Web-Entwickler usw. Wir haben das Geld zunächst auf einem privaten Konto geparkt. Unsere Idee trug nicht. Wie gut, dass wir den ganzen formalen Aufwand nicht betrieben haben.

Wenn also Leute immer wieder auf mich zukommen – mit der Aussage: „Ich habe eine großartige Geschäftsidee. Wie findest Du sie?“

Dann ist meine Antwort immer die gleiche: „Streich das ‚großartige’. Du hast eine Idee. Mehr nicht. Du magst die großartig finden und Deine Freunde auch. Und Deine Familie sowieso, aber das heißt ja noch lange nicht, dass sie im Markt bestehen kann. Ob sie großartig ist oder nicht, entscheidest nicht Du. Und schon gar nicht, solltest Du mich nach meiner Meinung fragen. Zumindest nicht, wenn es darum geht, ob die Idee gut ist und wie Du sie umsetzen sollst. Wenn überhaupt, kann ich einen Rat geben, wie man schnell scheitert.“

Findet heraus, was geht. Und was nicht. Das ist übrigens etwas, das die Erfolgreichen ganz sicher auch gemacht haben. Für mehr happy working people!

Mehr Freiheit, mehr Sinn, mehr Wirksamkeit in der Arbeit – statt Management-Mainstream und sinnbefreites Vor-sich-hin-Arbeiten. Das ist echtes Future Leadership. Unser Gründer Mark Poppenborg zeigt in seinem neuen Buch eine andere Art zu denken und viele praxisnahe Impulse für Manager und Change-Interessierte – fernab von festgetretenen Wegen.

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