Drei typische Fehler bei der Altersvorsorge

Ein Beitrag von: Torben Müller
Woran Du sie erkennst und was Du für eine gute Absicherung selbst tun kannst

Bildnachweis: © loneinchpunch – depositphotos.com

Es ist kein neues Thema. Spätestens seit Norbert Blüm und seinem berühmten Satz „Die Rente ist sicher!“, wissen wir alle, dass die Alarmglocken läuten. Obwohl ich so ganz pessimistisch nicht bin. Ich glaube ja tatsächlich, dass wir alle später noch eine Rente oder ein Äquivalent vereinnahmen werden. Da sorgen die Hirten schon in irgendeiner Weise für die (älteren) Schafe, um es mit den Worten Lars Vollmers zu sagen.

Allerdings mit einer Einschränkung: Die Rente wird uns in den meisten Fällen nicht mehr ausreichen. Für was soll sie eigentlich genau ausreichen? Egal, die Wiese wird nicht mehr so saftig sein. Wir ahnen alle, dass wir gut beraten sind, selbst vorzusorgen und die staatlichen Versprechen mit einer eigenen Komponente zu ergänzen.

Gleichwohl liegt das Thema Rente für viele noch in weiter Ferne. Und wer weiß, wie wir in Zukunft unser Arbeitsleben gestalten? Vielleicht fließen Arbeit und Freizeit, wenn man es denn überhaupt noch so trennen kann, immer weiter zusammen. Es gibt dann möglicherweise gar keinen Standardzeitpunkt für den Renteneintritt mehr. Der Übergang könnte fließend und sehr individuell gestaltet werden. Es wäre nur konsequent, wenn man an die sich immer weiter ausdifferenzierende Arbeitswelt denkt.

Aber auch in diesem Fall kann Dir ein Finanzpolster nützlich sein und für mehr Freiheit und Unabhängigkeit sorgen. Es geht in diesem Sinne nicht darum, überhaupt nicht mehr zu arbeiten – es geht darum, nicht mehr einer vielleicht unliebsamen Erwerbsarbeit nachgehen zu müssen und mehr Gestaltungfreiheit  zu erlangen.

Ob das Ziel nun der Aufbau eines Finanzpolsters für mehr Unabhängigkeit oder die Ergänzung der staatlichen Rente ist, wir tun uns schwer damit. In meinem Umfeld und in meinen Finanz-Coachings beobachte ich drei typische Probleme bzw. Fehler, die wir uns bei der privaten Altersvorsorge selbst einhandeln.

1. Wir starten nicht

Ok, das klingt banal. Wer nicht startet, der kann auch nicht ins Ziel einlaufen. Was wir dabei aber unterschätzen ist die Wirkung der Zeit bei der Bildung einer Altersrücklage.

Der beste Startzeitpunkt für den Aufbau einer privaten Altersvorsorge ist immer „jetzt“.

Zeit ist Geld. Nicht nur im Geschäft, sondern auch und gerade bei der Geldanlage. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir dafür Immobilien, Anleihen, das Sparbuch, ein Banksparplan, eine Rentenversicherung, Aktien oder Investment-Fonds nutzen. Je länger der verbleibende Zeitraum für unsere Investitionen, desto stärker können wir vom Kapitalwachstum profitieren.

Warum starten wir nicht? Warum zögern wir dann? Dafür biete ich drei Gründe an, die u. a. aus meiner Erfahrung dafür verantwortlich zeichnen:

  • Wir haben zu wenig Wissen oder Interesse am Thema. „Wie soll ich es angehen? Was ist das Richtige für mich? Ein fertiges Produkt? Soll ich es besser selbst versuchen? Welche Risiken gibt es? Soll ich Riestern? Betriebliche Altersvorsorge? Fonds-Sparen? Wem schenke ich überhaupt mein Vertrauen?“
  • Das Thema Altersvorsorge kommt ziemlich schnell nach Zahnarztbesuch in der Rangliste der Lieblingsbeschäftigungen. „Wenn nicht dieses Jahr, dann starte ich aber spätestens nächstes Jahr! Darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.“
  • Das optimale Produkt oder Vorgehen wirst Du nicht finden. Es ist wirksamer heute mit einem „gut genug“-Ansatz zu starten als Jahr für Jahr auf die optimale Altersvorsorge oder günstige Einstiegskurse an der Börse zu warten.

Bei der Bildung einer Altersrücklage gibt es unzählige Variablen und Unwägbarkeiten. Das gilt für den Vermögensaufbau in Eigenregie wie auch für die am Markt angebotenen Altersvorsorgeprodukte. Die zukünftig erzielbaren Nettorenditen (nach Inflation, Kosten und Steuern) sind ungewiss.

Gesetze ändern sich regelmäßig. Versicherungsgesellschaften oder deren Policen werden plötzlich verkauft. Nicht mal sicher ist, ob wir unsere Auszahlungen später noch in Euro oder in einer anderen Währung bekommen.

Die Dauer der Ansparphase und damit die Wirkung des Zinseszinseffekts können wir hingegen selbst bestimmen – indem wir starten. Und das ist entscheidend, denn der Startzeitpunkt hat große Auswirkungen auf die Vermögensbildung. Wie stark sich schon fünf Jahre auf das Endvermögen auswirken können, zeigt die folgende Grafik:

Eigene Darstellung

2. Wir schließen kostenintensive und unflexible Altersvorsorgeverträge ab

Wenn es uns darum geht, die Rente zu ergänzen oder als Selbstständige für die Zeit nach der Erwerbsarbeit vorzusorgen, kommt in der Regel eine private Rentenversicherung ins Spiel. Die Alternative, selbst Vermögensaufbau zu betreiben, wählen die wenigsten.

Wer beschäftigt sich schon gerne mit einer langfristigen Anlagestrategie? Wir schieben die Verantwortung für die Altersvorsorge gerne ab, entweder auf den Staat oder delegieren an einen Berater. Das macht uns anfällig und zu Kunden der Rentenversicherer. Denn diese möchten Produkte verkaufen und Geld verdienen. Das kann man ihnen auch nicht vorwerfen. Und damit wird es zu unserem Problem. Zwischen Versicherungsgesellschaft, dem Versicherungsberater und Dir steht in der Regel ein systembedingter Interessenskonflikt.

Ich möchte die private Rentenversicherung nicht pauschal als gänzlich ungeeignete Form der Altersvorsorge einordnen. Es gibt unzählige Produktvarianten und die Eignung hängt stark von den individuellen Verhältnissen ab. Es ist also nicht so, dass der Abschluss einer privaten Rentenversicherung immer ein Fehler ist. Aber auf viele Produkte trifft dann doch folgendes zu:

  • Die Verträge beinhalten hohe Vertriebskosten bzw. Abschlussprovisionen – Kosten, die dafür sorgen, dass ein Teil der Beiträge gar nicht angelegt werden können.
  • Während der gesamten Vertragslaufzeit fallen Verwaltungskosten an, die ebenfalls nicht in das Vertragsguthaben einfließen können.
  • Die im Versicherungsmantel enthaltenen Anlageprodukten (zum Beispiel Investmentfonds) verursachen zusätzliche Kosten, was oft nicht transparent ist.
  • Vertraglich zugesicherte Garantien (Mindestrente, Mindestverzinsung) begrenzen das Renditepotenzial stark im Vergleich zu chancenorientierter langfristig Geldanlage.
  • Die meisten Verträge bieten wenig Spielraum bei der späteren Bedarfsanpassung. Bei Vertragsabschluss passen sie vielleicht gut zur Lebensrealität, in 15 Jahren vielleicht überhaupt nicht mehr.
  • Du trägst das Risiko, dass der Vertragspartner in der Rentenphase entweder nicht mehr existiert oder nicht ausreichend leistungsfähig ist, die Dir zustehende Rente auch auszuzahlen.

Neben dem Startzeitpunkt unserer privaten Vorsorge sind auch die Kosten ein Faktor, den wir selbst in der Hand haben. Wie stark sich unterschiedliche Kostenstrukturen auf das Endvermögen auswirken, zeigt folgende Grafik:

Eigene Darstellung

Annahme der Kosten für das Altersvorsorgeprodukt:

  • 500 Euro Abschlusskosten, verteilt auf die ersten 5 Jahre (500 Euro pro Jahr)
  • 5% Verwaltungskosten auf alle Einzahlungen
  • 2,6% jährliche Kosten der Vermögensverwaltung

Annahme der Kosten bei der Selbstverwaltung:

  • 1,5% Gebühr auf Einzahlungen per Sparplan
  • 0,2% jährliche Kosten

Es kommt bei dem Vergleich nicht auf die Nachkommastelle und das konkrete Ergebnis an. Der Vergleich soll vielmehr aufzeigen, dass Produktkosten über lange Zeiträume einen signifikanten Unterschied machen, den Du nicht ignorieren solltest. Dieser Aspekt wird oft unterschätzt. Und das ist ein Fehler.

3. Wir ändern regelmäßig den Fahrplan

Scheinbar im Widerspruch zum ersten Punkt, verfallen wir häufig in Aktionismus, wenn wir erstmal gestartet sind. Wir schließen eine private Rentenversicherung (bzw. Riester/Rürup) oder einen Vertrag im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge ab, um dann ein paar Jahre später reumütig wieder zu kündigen oder den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Wir steigen zu Höchstkursen in den Aktienmarkt ein, um später nach einer Talfahrt ernüchtert mit Verlusten zu verkaufen.

Im nächsten Schritt kaufen wir vielleicht einen Vermögensverwaltungsfonds, mit dem es doch jetzt endlich klappen müsste. Einige Jahre später zeigt ein Blick auf die Wertentwicklung, dass die Performance doch nicht unseren Erwartungen entspricht. Das alles verhagelt unsere Rendite nachhaltig.

Dafür habe ich folgende Gründe im Angebot:

  • Wir starten ohne langfristige Anlagestrategie. Vertragsabschlüsse oder der Kauf von Wertpapieren sind, etwas überspitzt, Handlungen aus unserem Alltag und werden nicht im Kontext einer langfristigen Strategie für unseren privaten Vermögensaufbau ausgeführt.
  • Unser Verhalten ist stark abhängig von Emotionen, gerade wenn es um unser Geld geht. Unsere Gefühle, das Streben nach schnellem Erfolg, die Gier auf mehr Rendite, die Angst vor Verlusten, stehen rationalen Entscheidungen im Weg.
  • Wir sind permanent dem Einfluss von Medien, „Beratern“ und staatlicher Anreizungausgesetzt, dabei aber nicht am Mast gefesselt wie einst Odysseus. Wenn wir bei der Altersvorsorge Steuern sparen und Zuschüsse erhalten können, sagen wir nicht nein und verdrängen gleichzeitig andere, ebenfalls wichtige Faktoren (Rendite, Kosten, Flexibilität, …).

Die Statistik ist eindeutig. Häufig handelnde Anleger schneiden bei dem Vermögensaufbau statistisch schlechter ab als Investoren, die einer langfristigen Strategie folgen und beharrlich durchhalten.

Fazit

Wie auch immer Du Deine Altersvorsorge angehst – Du wirst erst Gewissheit darüber haben, was sie für Dich nach Kosten, Steuern und Inflation wert ist, wenn Du sie brauchst.

Aber Du bist nicht machtlos. Deinen Startzeitpunkt, Deine Anlagestrategie und die Kosten der Produkte bestimmst Du selbst!

In folgenden Artikeln werde ich noch einen Ansatz für die private Altersvorsorge in Eigenregie vorstellen – einfach, flexibel und zu geringen Kosten umsetzbar.

So long, not short
Torben

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Geschrieben von

Blogauthor Torben Müller intrinsify.me
Torben Müller

Torben ist über die Themen sinnstiftende Arbeit und moderne Unternehmensführung auf Intrinsify gestoßen. Zwei seiner großen Leidenschaften sind Wirtschaft und Börse. Im Laufe seiner zwei Jahrzehnte Finanzmarkterfahrung, hat er sich entschieden seine privaten Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Heute investiert er strategisch und „passiv“, teilt seine Erfahrungen in Blogs und ist Sparringspartner in Finanz-Coachings.

Erschienen am

Dienstag, 30. April 2019
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