Führungskraft werden – 4 Dinge auf die Du achten musst

Ein Beitrag von: Mark Poppenborg
Führungskraft werden: 4 Dinge auf die Du achten musst

Bildnachweis: © kantver – depositphotos.com

Woran Du erkennst, dass dich dein Führungsratgeber in die Irre führt und 4 konkrete Tipps für wirksame Führung

Du bist befördert worden. Jetzt stehst du mit dem Titel „Führungskraft“ im Organigramm. Du führst eine Handvoll Mitarbeiter und hast am Monatsende ein paar Euro mehr auf dem Konto. Glückwunsch!

Jetzt willst du alles richtig machen. Du willst eine wirklich gute Führungskraft werden. Also ran an die Führungsratgeber.

Du studierst einschlägige Blogs zu dem Thema. Liest „10 Ratschläge für eine gute Führungskraft“ oder „7 Tipps für Chefs“.

Du besuchst Kurse und lernst, wie sich eine Führungskraft richtig verhält, so dass ihr die Mitarbeiter gern folgen.

Wenn Du hier aufs falsche Pferd setzt, bist Du am Ende bloß ein Mensch mit einem Titel, der Kurse besucht und Blogs gelesen hat. Du heißt „Führungskraft“, aber die Mannschaft tanzt dir trotzdem auf der Nase herum. Du fühlst dich verkleidet und verbogen.

Woran erkennst Du, dass Du den falschen Ratgebern folgst?

1.  Dein Ratgeber empfiehlt Tugenden.

Wenn ich mir die gängigen Ratgeber so anschaue, dann steht da letztlich nichts anderes drin, als das, was mir meine Eltern schon mitgebeben haben. Tugenden, die ein gutes Miteinander ausmachen und die menschlichen Werte erfüllen.

Wertschätzung ist immer ganz wichtig, Respekt gegenüber den Mitarbeitern oder auch so etwas wie Pünktlichkeit.

Und dann stehen da noch Allgemeinplätze wie: Vorbild sein, Fehler zugeben, Loben oder Erfolge feiern.

Diesen Aussagen kann man immer schnell zu stimmen. Natürlich ist es großartig, wenn sich Menschen wertschätzen. Aber das beinhaltet doch keinen Erkenntnisgewinn. Als würde irgendjemand ernsthaft in Erwägung ziehen, nicht wertschätzend miteinander umzugehen, Fehler zu verheimlichen, unpünktlich zu sein, nie zu loben oder Erfolge tot zu schweigen. Ist schon klar, dass das gut sein könnte.

2.  Dein Ratgeber setzt am Verhalten an.

Was, wenn Du nun diese Eigenschaften nicht besitzt? Dann kannst Du sie lernen, sagt der Ratgeber. Wenn Du also weißt, dass Du ein Stinkstiefel bist und Dir Deine Mitmenschen ziemlich egal sind, dann lernst Du jetzt: „Empathisch sein“.

Ach so, Empathie kann man lernen?

3.  Dein Ratgeber empfiehlt Authentizität.

Das ist das allerhöchste Gebot: Eine gute Führungskraft ist immer unbedingt authentisch.

Erkennst du den Fehler? Führungskräfte sollen all die wunderbaren Eigenschaften erfüllen, die einen Menschen angeblich zu einem guten Menschen machen. Und dabei sollen sie auf jeden Fall authentisch sein. Ja, was denn nun?

Wenn du deinen Führungsratgeber jetzt wiedererkennst, wirft ihn in die Tonne! Diesen hier zum Beispiel. Reine Zeitverschwendung.

Schluss mit diesen perversen Forderungen, die uns verbiegen sollen. Ich habe schon Unternehmer und Führungskräfte kennengelernt, die nach der gängigen Führungsliteratur eine einzige Niete sind und trotzdem ihr Unternehmen zum Erfolg führen.

Chefs sind weder fürsorgeverpflichtet noch müssen sie versuchen, ihre Charaktereigenschaften zu ändern. Das ist alles Romantik. Schließlich geht es einzig und allein darum, dass erwachsene Menschen erfolgreich miteinander arbeiten.

Anstatt also Banalitäten zu fordern, die man entweder zufällig erfüllt oder eben nicht, lasst uns doch mal Dinge klarstellen, die tatsächlich einen Einfluss auf wirksame Führung haben. Ich vermeide bewusst das Wort „gute“, weil es hier eben nicht um Moral oder feines Benehmen geht.

Vier Dinge, die wirklich zählen, wenn Du Führungskraft werden willst oder bereits eine bist

1.  Nicht die Menschen ändern wollen.

Menschen haben bestimmte Persönlichkeitsprofile. Damit muss man leben. Punkt. Ein anständiges Unternehmen doktert nicht an seinen Mitarbeitern herum und verlangt ein anderes Verhalten.

Eine wirksame Führungskraft erkennt, dass Verhalten immer das Ergebnis aus Kontext und Persönlichkeit ist. Wenn dein Mitarbeiter sich nicht so verhält, wie du das gerne hättest, dann hat er höchstwahrscheinlich den falschen Rahmen. Einen nämlich, der ihn zwingt, exakt so zu handeln. Also: Rahmen ändern. Nicht den Mitarbeiter.

2.  Realisieren, dass es einen Unterschied gibt zwischen natürlicher und formaler Führung.

Nur weil man Führungskraft ist, führt man noch lange nicht. Führen tut man nur, wenn andere einem folgen wollen. Und – Achtung! – das kann man nicht lernen.

Man kann keinen Kurs besuchen – und im Anschluss folgen einem alle. Der Rattenfänger von Hameln hat kein Führungskräftetraining absolviert. Er konnte einfach was auf seiner Flöte.

Ich hätte mir gewünscht, dass ich früher in der Schule der Ansager gewesen wäre. War ich aber nie. Da hätte ich noch so viele Kurse belegen können.

Und beim Bund hatte ich einen Kameraden, der Gruppenführer war – und dem sind dennoch alle nur auf der Nase herumgetanzt. Er war aber Führungskraft. Aber geführt hat der nie.

Informell führt derjenige, dem andere folgen. Völlig unabhängig von den Strukturen. Als Führungskraft, also als Machthaber, sollte man sich also fragen, wie man das berücksichtigt. Und zulässt.

Wenn die Leute nicht auf einen hören, hat das sicher gute Gründe. Das ist kein Makel, sondern zeigt schlicht, dass man nicht führt. Wenn man es dann dennoch mit der Brechstange versucht, dann provoziert man nur, dass alle Theater spielen. Nur für den Chef, weil der einen rausschmeißen könnte. Erfolg lässt sich damit nie erreichen.

3.  Teamziele erarbeiten.

Wer Einzelziele an seine Mitarbeiter vergibt, der fördert Einzelkämpfertum. Dann will jeder nur sein persönliches Ziel erreichen. Keiner setzt sich jedoch für die Sache ein. Das ist unwirksam für die Organisation.

Die wirksame Führungskraft hilft Teamziele zu entwickeln, auf die man gemeinsam hinarbeitet.

4.  Schutzräume ermöglichen.

Wenn man nicht gerade in der reinen Massenfertigung tätig ist, sondern eher dort, wo sich stets neue Probleme ergeben, dann heißt das, dass man darauf angewiesen ist, dass Mitarbeiter auf Ideen kommen. Auf Ideen, etwas anders zu machen.

Als Führungskraft ist man mit zusätzlichen Rechten ausgestattet. Die wirksame Führungskraft nutzt diese, um beispielsweise einen Schutzraum zu stiften. Einen Raum, in dem Mitarbeiter Experimente betreiben können. Neben dem Regelbetrieb.

Klar, solche Experimente können schief gehen. Und dann muss man den Kopf hinhalten. Als Führungskraft, nicht als Mitarbeiter. So hängen sich Mitarbeiter angstfrei in die Sache – und Innovation wird möglich.

Wenn Du eine wirksame Führungskraft werden willst, achte darauf, welchem Rat du folgst. Will er dich erziehen? Dann weg damit! Dafür gibt es Eltern und gute Freunde.

Such Dir besser einen Ratgeber, der dir die richtigen Hebel zeigt! Denn es geht um nicht weniger als um den Erfolg deines Unternehmens, an dem du und deine Mitarbeiter partizipieren.

Für mehr happy working people!

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Chris Weiß
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Chris Weiß

„Führung kann man nicht lernen“? Wie 1.0 ist das denn? Das widerspricht mal eben der gesamten empirisch-peerreviewten Forschungslage der modernen ABO-Psychologie (und da kenn ich mich zufällig etwas aus :-)! Ergo, bitte merken: Führungskraft IST man nicht, Führungskraft WIRD man, und das immer über (zumeist) informelle und formelle Lernprozesse, individuell und kollektiv. Was zugleich die gute Nachricht ist. Denn das heißt, man kann mit PE/OE etwas bewirken, um Führung besser zu machen.
Summa summarum: Sorry, aber dieser Blogeintrag hat mit der Realität nur wenig zu tun.

Mark Poppenborg
Gast
Mark Poppenborg

Hallo Chris. Unsere Diskrepanz könnte an der Begrifflichkeit liegen. Meine These ist, dass man natürliche oder gerne auch informelle Führung nicht lernen kann. Natürlich kann man den populären Anforderungen an eine Führungskraft besser gerecht werden, bei Mitarbeitergesprächen auf mehr Details achten oder Ziele besser setzen. Aber was ich hier mit Führung meine, ist keine erlernbaren Fähigkeit. Du kannst das ganz einfach überprüfen, in dem Du Dich mal in einen ganz neuen Kontext mit neuen Menschen begibst in dem Du bisher nicht warst (Fussballverein, Ruderclub, Partei, junges Startup, Schachspielrunde, Junggesellenabschied mit Menschen die Du nicht kennst, etc.) und versuchst Ansehen zu… Weiterlesen »

Hans Habegger
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Hans Habegger

Hallo Mark, es ist schon eine Paradoxie aus meiner Sicht, den vielen Ratgebern mit X-Tipps einen Rat mit 4 Punkten gegenüber zu stellen. So gar nicht mehr nachvollziehbar wird es für mich, wenn du dich bei deinen 4 Tipps auf den unternehmerischen Kontext beziehst, dann aber im Kommentar Chris von Führung außerhalb dieses Kontextes sprichst. Wir können aus meiner Sicht Führung nicht ohne den spezifischen Kontext diskutieren und der ist außerhalb formaler Hierarchien eben anders als innerhalb. Der Zweck der jeweiligen sozialen System unterscheidet sich darüber hinaus ebenfalls; „natürliche Führung“ im Rahmen eines Junggesellenabschieds ist eben etwas anderes als Führung… Weiterlesen »

Mark Poppenborg
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Mark Poppenborg

Hallo Hans, danke auch für Dein Feedback. Nein, ich sehe das auch so, dass Führung kontextabhängig ist. UNd das ist ein wichtiger Hinweis von Dir, den ich versäumt habe zu erwähnen. Und trotzdem lässt sich das Phänomen der natürlichen Führung auch in anderen sozialen Systemen beobachten und nur darum ging es mir bei der Erläuterung im Kommentar an Chris. Ich hätte das aber präziser ausdrücken sollen, da hast Du vollkommen recht. Bzgl. der Kontext – Persönlichkeit – Betrachtung hast Du natürlich ebenfalls recht. In der Praxis erlebe ich aber fast ausschließlich die Arbeit am Menschen und nur selten die am… Weiterlesen »

Chris
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Chris

Hallo Mark, Danke für deine ausführliche Antwort – das hat mich gefreut. Leider fehlt mir gerade die Zeit für eine ebenso ausführliche Antwort, möchte jedoch kurz einen Gedanken dazu äußern, und das ist für mich des Pudels Kern, weshalb ich mich vermutlich auch in dieser Diskussion engagiere: Es gab eine Zeit in Deutschland, in der wurde versucht den Menschen zu suggerieren, es gäbe „natürliche“ Führer, und welche die es halt leider nicht drauf haben (und dann noch Personen, denen sämtliche Menschlichkeit abgesprochen wurde, aber das ist ein anderes Thema). Ich bin 100% überzeugt, dass du nicht in dieser Ecke stehst.… Weiterlesen »

Ardalan
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Ardalan

Hm. Interessante Aussage: „In der Praxis erlebe ich aber fast ausschließlich die Arbeit am Menschen“ Ich erlebe in der Arbeitswelt eigentlich so gut wie NIE, dass wirklich „mit Menschen gearbeitet wird“. Davor haben alle viel zu viel Angst, v.a. was da dann auf sie zurückfallen würde. Das schließt professionelle Berater genauso mitein wie formelle Führungskräfte und das Miteinander unter Kollegen, wo man sich auch jeden Tag in „professioneller“ Vermeidungs-Haltung übt. Alles andere würde ja den Betriebsablauf und das eigene angenehme Leben unnötig stören. Das Herumschrauben an Systemen ist da wesentlich ungefährlicher. Und das ist auch gut so. Denn da kann… Weiterlesen »

Mark Poppenborg
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Mark Poppenborg

Hallo Chris. Danke für Deine Antwort. Jetzt verstehe ich vielleicht besser wo Dein Widerstand herkommt. Wenn ich sage „Führung kann man nicht lernen“ meine ich damit ja nicht „Manche können es halt wegen ihres Talents und andere nicht“. Ich denke also definitiv nicht an die von Dir angesprochene Zeit in Deutschland. Vielmehr meine ich damit, dass Führung nichts lernbares ist, weil es nicht auf Wissen basiert. Ich kann kein Seminar der Welt besuchen, kein Buch lesen und keinen Vortrag hören, die dafür sorgen, dass ich besser führe. Führen heißt für mich schlicht und ergreifend, dass jemand Ansehen genießt und andere… Weiterlesen »

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Geschrieben von

Blogauthor Mark Poppenborg intrinsify.me
Mark Poppenborg

Mark ist Unternehmer und Vortragsredner. Und vor allem ist er unser Gründer. Mark führt seine tiefgreifenden Erkenntnisse auf unkonventionell inspirierende Weise in seinen Speaker-Auftritten, Seminaren und Management-Sparrings der Wirtschaft zu. Seit seiner ersten Gründung 2010 hat Mark viele weitere Unternehmen und Projekte initiiert. Insofern ist er nicht nur als Vordenker sondern auch als Vormacher bekannt. Er kombiniert seine aufklärerischen und desillusionierenden Impulse stets mit praktischen Inspirationen und Handlungsanweisungen.

Erschienen am

Donnerstag, 18. Februar 2016
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