Überleben auf Konferenzen – Ernährungstipps für Hochleistungsdenker

Ein Beitrag von: Isabel Brandau

Wie Du aus Konferenzen das meiste herausholst

Bildnachweis: © fabioberti.it – depositphotos.com

Du kennst das vielleicht auch: Während und nach Konferenzen fühlt man sich oft völlig platt und braucht erstmal einen Tag, um sich davon zu erholen. Gerade dann, wenn man sich vorgenommen hat neue Kontakte zu knüpfen, den ganzen Tag Input zu bekommen, dem man aufmerksam folgen will, fühlt man sich irgendwie matt im Kopf und aufgebläht im Bauch. Es fällt schwer den Speakern zu folgen oder sich im Workshop voll einzubringen.

Wen wundert das?
Wir befinden uns den ganzen Tag in Räumen mit künstlichem Licht und trockener, verbrauchter Luft. Dazu bewegen wir uns auf Konferenzen kaum, essen dafür aber ständig. Morgens geht es los mit Croissants, Bagels und natürlich Obst in mundgerechten Stückchen, wir müssen nur zugreifen und weg ist die Traube. Dazu einen Kaffee. Und noch einen …

Die Magensäure rebelliert, doch dann gibt es schon das Mittagsbuffet: Fleisch, panierten Fisch, Kartoffelsalat, Reispfannen und natürlich Brot. Die Teller der Konferenzbesucher sind meistens mit allem befüllt, was das Buffet so im Angebot hat. Es gilt, von allem ein bisschen auf den Teller zu stapeln, und was am leckersten war, darf in die zweite Runde. Dann das Dessert: Sahnepudding, Mousse au Chocolat, Rote Grütze mit Vanillesauce. Und dazu noch einen Kaffee. Wir essen deutlich mehr auf Konferenzen, als wir im Büro oder Zuhause zu uns nehmen würden. Das Angebot ist ja da, bezahlt ist es auch und wer weiß, wann es wieder etwas gibt?

Kaum ist das Mittagsbuffet abgeräumt, wird das Kuchenbuffet aufgefahren: aufgetauter Industrie-Blechkuchen in drei Geschmacksrichtungen. Die Zutatenbasis besteht hier aus Zucker, Fructose, Farbstoffen, Geschmacksverstärkern und gehärteten Pflanzenfetten. Viele Teilnehmer befinden sich währenddessen im „Fresskoma“ und machen ein Nickerchen im Konferenzstuhl, während der Speaker um die Aufmerksamkeit der nur körperlich Anwesenden kämpft.

Kaffeepause: um wieder in Schwung zu kommen, kommt der Kuchen sehr gelegen, zur Abwechslung mal `ne Cola statt Kaffee, das hilft, um das nächste Panel mit mehr Aufmerksamkeit zu verfolgen. Schluckauf, Aufstoßen, Bauchgrummeln, ein Gefühl der Unbehaglichkeit macht sich breit und der Gedanke, ob man den letzten Vortrag nicht einfach schwänzen sollte, um im Hotel nochmal ein Nickerchen vor dem Abendprogramm abzuhalten.

Und jetzt geht es richtig los – das Abendevent: Networking bei Fingerfood, Schokobrunnen, Wein und Bier.  Puh, die Nacht nach einem 5000 Kalorientag ohne Bewegung, angeschickert von Bier und Wein, ist für den 25-Jährigen hart, aber machbar.

Mit 45 Jahren ist die nächtliche Erholungsphase gleich null und die Folgen gnadenlos. Wir wachen übermüdet mit Kopf- und Nackenschmerzen, Wassereinlagerungen und nervöser Verdauung auf. Der zweite Konferenztag wird mehr überlebt, als erlebt. Wieder Zuhause freuen sich die Kinder, dass Mama oder Papa wieder da ist. Doch Mama oder Papa hat keine Kraft mehr, die gemalten Bilder des Kindes zu wertschätzen oder im Garten noch eine Runde Ball zu spielen. Es braucht jetzt noch mindestens einen weiteren Tag, bis dieses Intermezzo verarbeitet ist und weitere vier Wochen oder mehr, bis die 2 Kilo Gewicht wieder von den Hüften verschwunden sind.

Zum Glück muss das nicht sein. Wenn wir ein paar Prinzipien befolgen. Dazu müssen wir uns vergegenwärtigen, dass unser Gehirn auf Konferenzen Höchstleistungen erbringen muss. Zum einen gibt es natürlich sehr viel Input und in den Pausen wird genetworkt.

Man ist durchgängig am Kommunizieren, Denken und Verarbeiten

Das Gehirn bekommt einfach keine Ruhe, und das Ganze dann auch noch in klimatisierten Räumen bei mangelndem Tageslicht. Hinzu kommen qualitativ minderwertiges Konferenzessen und mangelnde Bewegung. Das alles beeinflusst die Denkleistung negativ, denn das Gehirn ist an allen Prozessen im Körper beteiligt, so auch an der Verdauung. Und ob die Energie beim Vortrag im Kopf oder im Bauch ist, wird dadurch entschieden, ob und was wir gegessen haben. Und das kann jeder von uns zum Glück selbst positiv beeinflussen.

Wenn Du also oft auf solchen Veranstaltungen bist, dann versuch doch mal bei der nächsten Konferenz, unsere Tipps unten zu beherzigen. Körperlich und geistig wird es Dir deutlich besser gehen. Du wirst den Inhalten konzentriert und wach folgen können, Deine Energie reicht bis in den Abend und Dein Schlaf ist regenerativ. Gewicht wirst Du nicht zunehmen und Deine Kinder bekommen die Aufmerksamkeit von Dir, die sie verdienen. Den darauffolgenden Arbeitstag wirst Du erholt und motiviert beginnen. Du brauchst keine Pause. 

Beachte dafür folgende einfache Prinzipien:

Wenig essen und wenn, dann tagsüber viele hochwertige Fette, moderate Proteine und keine Kohlenhydrate. Reis, Brot, Kartoffeln, Nudeln und Obst können am Abend auf den Teller, wenn wir müde werden dürfen. Um Hochleistungen zu erbringen, braucht das Gehirn vor allem Fett! Der Zucker aus den Kohlenhydraten ist super für Muskelkraft. Aber wer betätigt schon seine Muskeln auf einer Konferenz? Hier sitzen wir und können den ganzen Zucker in unserem Blut gar nicht verarbeiten und werden deshalb müde. Und das gilt auch für Obst, denn Fruchtzucker ist auch Zucker!

Acht Energie-Tipps auf Konferenzen:

  1. Damit Deine Energie im Kopf und nicht in der Verdauung hängt, verbringe den Vormittag möglichst fastend. Trinke Wasser und Tee. Alternativ kannst Du auf ein fetthaltiges Frühstück setzen. Hier kommen beispielsweise Nüsse, fettreicher Naturjoghurt (am besten von der Ziege oder als Kokosjoghurt), Avocados oder Lachs in Frage. Unsere erste Wahl ist ein sogenannter Bulletproof-Coffee. Das ist ein fetthaltiger Kaffee mit Butter und einem stark konzentrierten Kokosöl (MCT-Öl). Der macht richtig satt, belastet den Organismus kaum und gibt dem Gehirn durch gute Fettsäuren einen richtigen Kickstart in den Tag. Er schmeckt übrigens fantastisch, denn im Mixer wird er schön schaumig geschlagen und geht buchstäblich runter wie Öl ;).
  2. Wir empfehlen Dir, wenig und nicht so viel durcheinander zu essen. Damit hat Deine Verdauung Ruhe und Du kannst Dich auf die Vorträge und Gespräche konzentrieren und sparst enorm Energie.
  3. Wenn Du es irgendwie einrichten kannst, dann versuche einen Teil der Strecke zur Konferenz zu laufen. Du wirst Dich kaum bewegen an diesem Tag, nutze jede Chance auf Treppensteigen und Gehen, die Du kriegen kannst.
  4. Beim Lunchbuffet solltest Du Dich in erster Linie auf Gemüse und hochwertige Fette fokussieren. Stell Dir Deinen Teller freestyle zusammen. Also nur, weil das Lachsgericht mit Reis angerichtet ist, musst Du den Reis nicht essen. Nimm den Fisch und dazu Gemüse oder grünen Salat aus einer anderen Schale mit Olivenöl. Auch wenn Du ein Fleischesser bist, empfehlen wir Dir, bei solchen Veranstaltungen auf das Fleisch zu verzichten. Es ist immer von minderer Qualität (Catering ist billiges Massengeschäft) und wird Deinem Körper zu schaffen machen. Hinzu kommt, dass Du an diesem Tag sehr viel sitzt und Deine Verdauung träge ist. Da ist der Blähbauch vorprogrammiert.
  5. Iss vor allem wenig, lass Deinem Magen noch 20 % Platz. Wie Du das merkst? Wenn Du eigentlich noch könntest, aber nicht mehr müsstest. Auch wenn Du Gemüse und Salat isst, wird die Qualität des Essens auf der Veranstaltung qualitativ minderwertig sein. Dein Körper wird daher trotzdem viel zu entsorgen haben und da ist weniger eben mehr.
  6. Während die meisten Konferenzbesucher das zweite Mal zum Büffet rennen, nutze die Zeit für einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft. Wenn Du introvertiert bist, wird Dir das besonders guttun. Die vielen Menschen und Reize, die auf Dich einströmen, müssen verarbeitet werden. Jetzt kannst Du ein paar Schritte an der frischen Luft im Tageslicht gehen, ohne zu kommunizieren, kannst Dich auf eine Bank setzen und kurz die Augen schließen und ein paar Mal bewusst ein und ausatmen. Bist Du eher gesellig? Dann frag Deinen Gesprächspartner vom Lunch, ob er Dich auf einen kleinen Gang begleitet. Die meisten werden dafür auch sehr dankbar sein.
  7. Finger weg von Säften und Softdrinks, auch die Biolimonaden sind gesüßt! Kräutertees, insbesondere grüne Tees sind hingegen sehr wohltuend. Grüner Tee hilft bei der Entgiftung, was bei Konferenzessen, der schlechten Luft und dem fehlenden Tageslicht eine tolle Unterstützung sein kann, um Dein Wohlbefinden so lange wie möglich aufrecht zu halten. Vermeide wenn möglich auch Alkohol. 
  8. Trinke viel stilles Wasser. Wasser ist die Basis für einen gelungenen Tag. Deine Schleimhäute danken es Dir insbesondere in der trockenen, klimatisierten Luft der Konferenzhallen. 

Das ist Dir alles zu aufwändig? Dann stelle Dir selbst die Frage, wieso Du auf der Konferenz bist und was Nahrung in diesem Kontext für Dich bedeutet. Du bist vermutlich auf der Konferenz, um Dich zu bilden, Geschäfte zu machen und Wissen zu teilen und hast dafür viel Geld gezahlt. Du bist nicht hier um zu essen, gut zu essen schon mal gar nicht. Essen ist hier Mittel zum Zweck.

Es soll Dich als Energielieferant mit dem Nötigsten versorgen. Es ist (minderwertige) Nahrung, kein gehaltvolles Festessen, das so viel Aufmerksamkeit verdienen sollte. Probiere es einfach mal aus und schau, wie es Dir während und vor allem nach der Konferenz körperlich und geistig geht und schreibe Deine Erfahrungen in die Kommentare.

Viel Freude bei der nächsten Konferenz!

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Toller Beitrag! Gerade erst über Google gefunden.

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Geschrieben von

Blogauthor Isabel Brandau intrinsify.me
Isabel Brandau

Isabel Brandau bloggt und podcastet hier bei intrinsify zu den Themen Beratung und Entrepreneurship. Seit 2010 ist sie selbständig als Prozessberaterin und Businesscoach und startete ganz im Sinne des Entrepreneurships selbst im vergangenen Jahr ein unternehmerisches Projekt, das den Fokus auf die persönliche Leistungsfähigkeit legte, was ja auch eine der 7 + 1 Dimensionen ist, die wir für die neue Wirtschaft sehen. Vieles befindet sich bei Isabel aktuell im Wandel – wenn Du ihren Entwicklungsweg verfolgen möchtest, dann folge ihr auf den üblichen Socialmedia Kanälen.

Erschienen am

Samstag, 12. Januar 2019
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