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Was sind Komplexithoden?

Komplexithoden

Rezension eines der besten Bücher über moderne Unternehmensführung

»Ein wirklich gutes Buch erkennt man daran, dass man es mehrfach liest.« Nassim Taleb hat mich in seiner Aphorismensammlung „The Bed of Procrustes“ auf dieses Phänomen hingewiesen, das ich seitdem sehr ernst nehme.

Hand auf’s Herz, wie viele Bücher machst Du immer wieder auf, weil sie Dir wirklich einen Nutzen stiften und Dich nicht nur unterhalten? Romane ausgeschlossen.

Bei mir sind es eigentlich nur: The Bed of Procrustes, Denkwerkzeuge der Höchstleister, The Book: On the Taboo Against Knowing Who You AreLetters from a Stoic, Antifragilität. Ein paar weitere noch, die ich aber nicht wirklich „nutze“.

Seit einigen Wochen, hat ein weiteres Buch das Potential in dieser Liste zu landen. Jedenfalls erwische ich mich dabei, es immer mal wieder aufzuschlagen.

Dazu muss man sagen, dass ich alle Inhalte von den beiden mir auch persönlich gut bekannten Autoren Niels Pfläging und Silke Hermann schon kenne. Das alleine sagt für mich schon sehr viel über die Qualität des Buches aus.

Denn Komplexithoden: Clevere Wege zur (Wieder)Belebung von Unternehmen und Arbeit in Komplexität ist nicht nur ein geniales Nachschlagewerk, sondern neben den Denkwerkzeugen von Gerhard Wohland die wohl kompakteste Aufarbeitung der wesentlichen Denkansätze moderner Unternehmensführung.

Für mich haben Niels und Silke mit dem Buch direkt einen Klassiker produziert.

Der große Vorteil der Komplexithoden gegenüber den Denkwerkzeugen von Gerhard Wohland ist wohl, dass auch Einsteiger einen schnellen und verständlichen Zugang finden.

Komplexithoden ist so kompakt und verständlich, dass man es nicht weiter zusammenfassen kann ohne die Verständlichkeit zu reduzieren. Deshalb tue ich genau das.

Ansonsten wäre dieser Artikel lediglich eine Leseempfehlung, die ich natürlich uneingeschränkt aussprechen möchte. Lies dieses Buch unbedingt, wenn Du Dich mit moderner Unternehmensführung auseinandersetzen willst!

Worum geht es in den Komplexithoden im Kern?

Die Leitunterscheidung, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht, ist die Unterscheidung zwischen blau und rot. Diese von Gerhard Wohland stammende Unterscheidung hat Wumms, will ich mal ganz salopp festhalten.

Anstelle von blau und rot könnte man auch kompliziert und komplex sagen. Komplexe Systeme sind kontingent, d.h. es kann unter gleichen Anfangsbedingungen immer auch anders kommen. Deshalb überraschen komplexe Systeme stets – auch sich selbst – und entziehen sich der Kontrollierbarkeit.

Wissen ist daher kein Mittel zum Umgang mit Komplexität. Wer mehr weiß, wird ein komplexes Problem nicht besser lösen, als jemand der weniger weiß.

Da jedes Unternehmen ein solches komplexes System darstellt, sind Unternehmen per se nicht steuerbar.

Warum werden Unternehmen dann seit Jahrzehnten gesteuert?

Wir haben insb. seit dem Einbruch des 20. Jahrhunderts von einer genialen Errungenschaft der Menschheit Gebrauch gemacht: die „künstliche“ Komplexitätsreduktion durch Technik.

Technik muss man sich vorstellen, wie die Nutzung einer Grenzziehung. Auf der einen Seite der Grenze herrscht (immer noch) Komplexität. Auf der anderen aber ist diese quasi eliminiert, sodass man guten Gewissens von kausalen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen ausgehen kann. Die eine Seite ist der kontrollierbare Kausalbereich, der andere der nicht kontrollierbare Kausalbereich (so N. Luhmann sinngemäß).

Für die kontrollierbaren Wirkzusammenhänge braucht es jetzt „nur noch“ Wissen. Fehlt dieses Wissen, wirkt die Technik kompliziert. Kompliziertheit ist also ein Maß für das nötige Wissen, um eine Technik zu verstehen und zu nutzen. Kompliziertheit ist daher ein relativer Begriff. Was mir kompliziert erscheint, kann Dir einfach erscheinen.

Zu Industrialisierungszeiten, als nahezu alle heutigen Praktiken zur Führung von Organisationen entstanden sind, war die Unterscheidung zwischen kompliziert und komplex vernachlässigbar.

Denn aufgrund der ungesättigten Märkte und der damit einhergehenden geringen Zahl an Wettbewerbern, wurden Unternehmen selten überrascht. Die wenigen Überraschungen waren vom Management alleine verarbeitbar.

Wenn Organisationen jedoch in der heutigen Zeit überleben wollen, muss ihr Management von der Unterscheidung zwischen blau und rot praktischen Gebrauch machen.

Sie müssen also für alle komplizierten Probleme den Wissenserwerb sicherstellen und für alle komplexen die Strukturen schaffen, die Selbstorganisation erlauben.

Denn die Zahl der Überraschungen hat ein so hohes Maß angenommen, dass sie nur noch von der Organisation selbst bearbeitet werden können, nicht von Menschen. Dafür reicht die Komplexität der menschlichen Psyche nicht aus.

Niels und Silke stellen in ihrem Buch Werkzeuge dar, die dazu geeignet sind mit den komplexen Problemen umzugehen, die immer mehr zur Lebensbedrohung für Unternehmen werden.

Diese von den beiden als Komplexithoden getauften Werkzeuge, verhindern die naive Komplexitätsreduktion des Managements in Form von Regeln, Methoden, Prozessvorgaben, etc. und ermöglichen somit den nötigen Komplexitätsaufbau mit dem die steigende Umweltkomplexität bewältigbar wird.

Wenn Du die Komplexithoden ernsthaft studierst und übst, mit ihnen umzugehen, wirst Du sichtbare wirtschaftliche Erfolge in Deiner Organisation verbuchen können. Ich kann mich also nur wiederholen: Lies dieses Buch unbedingt. Und es eignet sich natürlich phantastisch als Weihnachtsgeschenk.

 

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Geschrieben von

Blogauthor Mark Poppenborg intrinsify.me
Mark Poppenborg

Mark ist Unternehmer und Vortragsredner. Und vor allem ist er unser Gründer. Mark führt seine tiefgreifenden Erkenntnisse auf unkonventionell inspirierende Weise in seinen Speaker-Auftritten, Seminaren und Management-Sparrings der Wirtschaft zu. Seit seiner ersten Gründung 2010 hat Mark viele weitere Unternehmen und Projekte initiiert. Insofern ist er nicht nur als Vordenker sondern auch als Vormacher bekannt. Er kombiniert seine aufklärerischen und desillusionierenden Impulse stets mit praktischen Inspirationen und Handlungsanweisungen.

Erschienen am

Mittwoch, 9. Dezember 2015

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