Blogauthor Mark Poppenborg
von Mark Poppenborg  

Mark ist Unternehmer und Vortragsredner. Und vor allem ist er unser Gründer. Mark führt seine tiefgreifenden Erkenntnisse auf unkonventionell inspirierende Weise in seinen Speaker-Auftritten, Seminaren und Management-Sparrings der Wirtschaft zu. Seit seiner ersten Gründung 2010 hat Mark viele weitere Unternehmen und Projekte initiiert. Insofern ist er nicht nur als Vordenker sondern auch als Vormacher bekannt. Er kombiniert seine aufklärerischen und desillusionierenden Impulse stets mit praktischen Inspirationen und Handlungsanweisungen.

Was tun, wenn aus Ideen keine Innovationen werden?

11. Juni 2020    5 Kommentare

Ideen sind Sache des Verstandes, Innovation ist Sache der Organisation

Bricht bei euch aktuell der Umsatz ein? Vielleicht noch schleichend, vielleicht auch schon galoppierend. Haben eure Mitarbeiter zahlreiche Ideen, aber keine scheint Realität werden zu wollen? Alles geht zu langsam, alles ist mühsam, obwohl es gerade jetzt ganz schnell gehen müsste? Wenn das vertraut klingt, könnten die folgenden Zeilen interessant für Dich sein.

Den Bedarf nach möglichst unmittelbarer Innovation kenne ich nur zu gut. Von unseren Kunden, aber auch von uns selbst. Wir wurden bereits von der ersten Krisen-Welle erwischt. Und zwar nicht zu knapp. Am 12. März habe ich meinen letzten Rückflug von Deutschland nach England angetreten. Anfang der gleichen Woche war klar, dass es wohl bis auf Weiteres der letzte gewesen sein dürfte. Innerhalb von quasi einer Woche brach damit eines unserer Standbeine ein, ohne das wir recht schief stehen: unser Akademiegeschäft.

Schon am 19. März kündigten wir dann in Reaktion darauf unser virtuelles LIVE Training an, das am 30. März in die erste Runde ging und sich seitdem blendend entwickelt – auch Dank des vielen Feedbacks unserer Teilnehmer. Nun ist das Akademie-Standbein gesünder denn je. Wir konnten gegenüber dem Vorjahr unseren Akademie-Umsatz sogar steigern.

Kurzer Werbeblock in eigener Sache: Wir sind seitdem so oft um Rat gefragt worden, wie man virtuelle Begegnungen zum Erlebnis machen kann, dass wir inzwischen zusammen mit unseren Festival-Kollegen (work-X und SpielPlan4) eine Dienstleistung unter eigener Marke dazu anbieten. Infos dazu findest Du hier. Werbeblock Ende.

Von der Idee zur Innovation in weniger als einem Monat! Das geht, es erfordert nur eine wesentliche Erkenntnis:

Ideen sind Sache des Verstandes, Innovation ist Sache der Organisation.

Oder anders: Organisationen können nicht auf Ideen kommen und Mitarbeiter können keine Innovation herstellen.

Das ist wie so oft provokant und sehr verkürzt. Und deshalb unbrauchbar, wenn ich es nicht weiter erkläre. Also was ist damit gemeint?

Dass zwischen Idee und Innovation ein Unterschied besteht ist jedem intuitiv klar. Doch was macht diesen Unterschied so relevant?

Spontan denkt man oft, es läge an den offensichtlichen Faktoren: Zeit, Ressourcen, Kapital. Die braucht es auch, daran besteht kein Zweifel. Doch damit steht und fällt ein Projekt in den meisten Unternehmen gerade nicht.

Das entscheidende Stichwort ist ein anderes. Nämlich: Immunabwehr.

Ich will versuchen, es an einem Beispiel zu verdeutlichen:

Ein befreundetes Unternehmen bat mich kürzlich um Unterstützung. Ein massiver Umsatzeinbruch zwingt dieses Unternehmen, neue Vertriebswege zu realisieren. Ideen sind dazu reichlich vorhanden. Und es fehlt auch nicht an Mitarbeiter, die einen solchen Vertrieb leisten könnten. Bloß will aus den Ideen einfach keine Realität werden.

Damit man das verstehen kann, hilft mal wieder die Unterscheidung zwischen Spieler und Spiel: Ideen sind Vorgänge im Verstand eines Menschen (Spieler). Präziser: Ideen sind Gedanken, die sich erfolgversprechend anfühlen. Es braucht also den Verstand (Gedanken) und den Körper (Gefühle), um eine Idee zu erkennen. Beides hat eine Organisation nicht. Deshalb braucht sie ihre Mitarbeiter.

Innovation hingegen ist das Ergebnis von Kommunikation. Und Kommunikation wiederum ist ein Vorgang der Organisation (Spiel). Damit aus einer Idee eine Innovation werden kann, muss die Idee also zunächst Einzug in die Kommunikation erhalten und sich dann prägend auf selbige auswirken.

Genau das scheitert aber an der Immunabwehr der Organisation. Für sie ist alles Neue fremd. Und was fremd ist, wird abgewehrt. Egal ob es nützlich ist oder nicht. Die Organisation kann sozusagen nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden. Alles ist ein Virus, der bekämpft wird.

So ist es auch bei meinem befreundeten Unternehmen: Bisher musste dieses Unternehmen nämlich nie Vertrieb machen. Marketing hat gereicht. Die Kunden kamen von alleine, entweder in der Folgebeauftragung, aufgrund von Empfehlungen oder einfach nur wegen des guten Rufs.

Kundenakquise gab es also schon. Und Vertriebsabwicklung gehörte auch schon immer dazu. Aber eben kein aktiver Vertrieb. Die Kommunikation kann also noch keinen Vertrieb. Das Spiel hat diese Spielzüge nicht im Repertoire.

Und deshalb sind die neuen Ideen eine Zumutung für das Unternehmen. Sie sind fremd und werden abgewehrt, obwohl sie gebraucht werden.

Innovations-Impfung

Der Schlüssel zur Innovation ist deshalb die Überwindung der Immunabwehr. Es braucht also eine Art Impfung.

Egal ob ihr bisher Projekte gemacht habt und jetzt ein Produkt bauen wollt, ob ihr ein Dienstleister seid und ein neues Geschäftsmodell anstrebt, ob ihr eure Leistung plötzlich nicht mehr auf die gewohnte Weise erbringen könnt – ganz egal: Wenn ihr schnell (oder langsam) an neuen Umsatz kommen müsst, dann gilt es, den Widerstand des Unternehmens zu überwinden (nicht den der Mitarbeiter).

Über das dazu nötige Impfprogramm habe ich schon an verschiedensten Stellen gesprochen. Es besteht aus der zielgerichteten Einrichtung von geschützten Nestern im eigenen Unternehmen. Diesen Nestschutz herzustellen, ist Aufgabe moderner Führung.

In unserer Beratungsarbeit stoßen wir dabei immer wieder auf ähnliche Fallstricke und Fragen:

  • Welche Idee ist die richtige?
  • Wie genau stelle ich den Nestschutz sicher?
  • Wer sollte an der Idee arbeiten?
  • Braucht es ein zentrales Entscheidungsgremium?
  • Wie lange gebe ich einer neuen Idee?
  • Bin ich auf Methoden wie Design Thinking, Lean Startup o.ä. angewiesen?
  • Sollte in dem geschützten Nest Vollzeit an der Idee gearbeitet werden?
  • Wer macht die Arbeit, die liegen bleibt?

Wie immer gibt es auch hier keine one-size-fits-all Lösung. Aber um vor groben Webfehlern zu schützen und in dem Prozess beim Denken zu helfen, entwickeln wir gerade ein neues Future Leadership Werkzeug.

Für die Entwicklung hilft mir jede weitere Rückmeldung. Was für Fragen habt ihr noch in eurer Organisation? Woran sind neue Ideen bei euch in der Vergangenheit (scheinbar) gescheitert? Was ist gelungen und worauf führt ihr das zurück?

Ich würde mich auf eine Antwort von Dir freuen. Hau‘ gerne formlos in die Tasten und schreibe Deine Gedanken in das Kommentarfeld unten.

Virtuelles LIVE Training zum Organisationsdesigner


In 8 Wochen fit für die modernen Führungsherausforderungen (nach Corona). Wir haben ein LIVE Training (kein eLearning) entwickelt, das perfekt auf die Zeit nach Corona vorbereitet. Wie bei Kursen in einem Fitnessstudio gibt es über die Woche verteilt insgesamt zwölf 90-minütige LIVE Sessions mit drei Schwierigkeitsstufen. Je nach Verfügbarkeit der freien Plätze kannst Du jeden Montag starten. Das Programm ändert sich wöchentlich und wiederholt sich nach drei Wochen mit versetzten Zeiten.

Wenn Du kontinuierlich dran bleibst (Zeiteinsatz: wöchentlich 4,5 Stunden), bist Du nach 8-10 Wochen (je nach Feiertagen) mit allem durch und “Masterclass-Ready”. Das heißt, Du kannst Dir dann durch eine spätere Teilnahme an einer unserer Masterclasses Dein Zertifikat zum Organisationsdesigner sichern. Nicht überzeugt? Innerhalb von einer Woche bieten wir eine 100% Geld-zurück-Garantie – ohne Fragen oder Fallstricke.

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Alexander
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Oft fehlt es innerhalb der Organisation, bei den Menschen, die die neue Idee verstanden oder erfunden haben, einfach an der Überzeugung, dass Ideen genauso intensiv intern, als auch extern „verkauft“ werden sollten…viele Menschen denken: „ach, wenn die anderen nicht sofort einspringen, dann ist die Idee vielleicht nicht so gut…“

Katja
Gast
Katja

Der Liste häufiger Fragen könnte man noch die der internen Kommunikation hinzufügen: Nestschutz einerseits, Information, Partizipation, Einbauen in kommunikative Muster andererseits ermöglichen. Welche Tipps und Tricks gibt es, die Organisation „nach“ dem Nestschutz mit dem Neuen bekannt zu machen?

Torben
Gast
Torben

In Konzernen sterben viele Ideen schon frühzeitig, spätestens mit der Diskussion über IT-Kapazitäten.

Jochen
Gast
Jochen

Danke für das sehr schöne Kondensat Deiner bisherigen Intrinsify-Arbeit, Marc! Hier geht es ja nicht mehr um Analyse und Erklären (und dann staunen), hier wird es pragmatisch, hier geht es um Bewegung/Veränderung! Genau das ist der Ansatz, den ich schon lange gesucht (und geahnt) habe, aber hier wird es klar und deutlich formuliert! Daher bin ich sehr gespannt auf das neue Werkzeug! Daher hier gerne mein Entwicklungsbeitrag, die von Dir gewünschte Rückmeldung zum Scheitern und (vermutete) Ursachen dazu: An der Kultur als Unternehmensgedächtnis kann man erkennen, wie das Unternehmen in Vergangenheit geprägt wurde und in der Gegenwart geprägt wird. Ich… Weiterlesen »