Blogauthor Mark Poppenborg
von Mark Poppenborg  

Mark ist Unternehmer und Vortragsredner. Und vor allem ist er unser Gründer. Mark führt seine tiefgreifenden Erkenntnisse auf unkonventionell inspirierende Weise in seinen Speaker-Auftritten, Seminaren und Management-Sparrings der Wirtschaft zu. Seit seiner ersten Gründung 2010 hat Mark viele weitere Unternehmen und Projekte initiiert. Insofern ist er nicht nur als Vordenker sondern auch als Vormacher bekannt. Er kombiniert seine aufklärerischen und desillusionierenden Impulse stets mit praktischen Inspirationen und Handlungsanweisungen.

Wie moderne Unternehmensführung ohne Helden auskommt

19. Januar 2015    4 Kommentare
Wie Moderne Unternehmensführung ohne Helden auskommt

Bildnachweis: © Alfredo Liverani

Einzelleistung gehört der Vergangenheit an

Lucky Luke, Titelfigur einer belgischen Comic-Serie des Zeichners Morris, ist nun schon seit knapp 80 Jahren unterwegs, um Verbrecher zu jagen. Einsam und heimatlos zieht er mit seinem Pferd Jolly Jumper durch den Wilden Westen. Er hilft den Armen und Benachteiligten – und steht natürlich immer auf der Seite des Gesetzes.

Der einsame Cowboy mit dem schnellen Colt ist beliebt und – wen wundert’s – extrem erfolgreich. Man könnte meinen, er schafft das aus eigener Kraft, schließlich ist er allein unterwegs. Kenner wissen aber, dass sein treues Pferd über besondere Fähigkeiten verfügt und seinen Herrn nicht nur einmal aus einer schwierigen Situation gerettet hat.

Es kann nur Einen geben…

Oh, wie wir diese Geschichten lieben! Geschichten von einsamen Rächern und starken Rettern. Das ist der Stoff, aus dem unsere Träume sind. Und so leben wir dieses Muster auch im Management-Alltag aus.

Wer hat den größten Beitrag geleistet? Wer hat das Problem gelöst? Wer ist der Held? Aber auch: Wer ist schuld? Ständig sind Unternehmen dabei, genau diese Frage zu klären. Überall sucht man nach Zuschreibung. Immer im Hinterkopf: Es gibt ihn, den Helden. Es gibt sie, die viel beschworene Einzelleistung.

Doch die Überzeugung, dass Einzelne etwas bewegen können, rührt noch aus Zeiten der Industrialisierung. Damals konnte alles fein säuberlich einer Person oder einer Kostenstelle zugeordnet werden.

Es gibt immer mindestens einen Jolly Jumper.

Heute entsteht Arbeit jedoch fast immer im Verbund. Einzelbeiträge sind dabei gar nicht mehr abgrenzbar. Wenn ein Team beispielsweise ein neues Projekt akquiriert, dann hat dabei nicht nur der Vertriebler, der seine Präsentation gehalten hat, die Finger im Spiel. Ohne die Präsentationsvorlage, das Produkt selbst, das Firmenimage, vergangene Referenzen, Empfehlungen etc. wäre diese Leistung nicht möglich gewesen.

Doch das passt nicht in unser Denkschema. Schon in der Schule wird Teamarbeit gepredigt – jedoch Einzelleistung benotet. Die Schlagzeile der „Bild“ applaudiert zwar der Nationalelf, nennt aber in der gleichen Schlagzeile schnell noch die zwei oder drei herausragenden Spieler. Und wenn wir uns den Film zur Facebook-Geschichte ansehen, dann steht natürlich Mark Zuckerberg allein auf der Bühne.

Das ist so einfach wie falsch. Denn dabei vergessen wir all die vielen Jolly Jumpers, die das Abenteuer mitbestritten haben!

Wer den einen lobt, haut den anderen vor den Kopf.

Der Fokus auf die Leistung Einzelner führt nicht nur dazu, dass individuelle Ziele und Boni vereinbart werden. Nein, wir können dabei auch einen handfesten Schaden anrichten. Macht Euch klar: Wenn ihr gelobt werdet, dann wird der Kollege neben Euch automatisch diskriminiert und demotiviert. Und was passiert, wenn ihr eins auf die Mütze kriegt? Werdet ihr Euch dann noch eine Portion mehr reinhängen? Wohl eher nicht. Und so demotiviert man eigentlich immer. Und am Ende kommt garantiert weniger bei rum.

Ist das Mammut erlegt, sollten wir nicht überlegen, wer welchen Speer gesetzt hat.

Wenn wir verstehen, dass jede Leistung eine Teamleistung ist. Wenn wir verstehen, dass diese Leistung aus verschiedensten, nicht messbaren Faktoren besteht. Wenn wir also akzeptieren, dass es keine Helden gibt, dann können wir endlich aufhören, Einzelleistung zu messen.

Dann können wir endlich unser altes Kennzahlensystem über Bord werfen. Das Fehlanreiz-System hat ausgedient. Messen wollen wir natürlich weiterhin. Statt jedoch Einzelne in den Fokus zu rücken, geht es vielmehr darum, die Kennzahlen eines Teams so transparent wie möglich zu machen. Beispielsweise: Wie viel Geld wurde in einer Periode schon kumuliert investiert? Oder: Wie hoch sind die Gehälter in einem Team?

Und was, wenn einer nicht mitmacht? Was, wenn jemand sich in die Team-Hängematte legt? Keine Sorge, das regelt die soziale Kontrolle. Denjenigen oder Diejenige wird man sich sehr schnell zur Brust nehmen.

Und: Wenn Unternehmen ihr Fehl-Anreizsystem aufgeben, müssen auch besonders ehrgeizige Menschen nicht mehr befürchten, im sogenannten „Teambrei“ unterzugehen.

Wie regelt Ihr das bei Euch? Gehen Einzelne aufs Siegertreppchen oder kriegt das ganze Team die ersehnte Medaille?

Mehr Freiheit, mehr Sinn, mehr Wirksamkeit in der Arbeit – statt Management-Mainstream und sinnbefreites Vor-sich-hin-Arbeiten. Das ist echtes Future Leadership. Unser Gründer Mark Poppenborg zeigt in seinem neuen Buch eine andere Art zu denken und viele praxisnahe Impulse für Manager und Change-Interessierte – fernab von festgetretenen Wegen.

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Ben
Gast
Ben

Hi,

super Artikel! Leider wird das immer noch viel zu wenig gelebt. Erlebt ihr jeden Tag genau wie wir nehme ich an. Das spannende daran ist, dass es zwar häufig im Ansatz versucht wird, aber im Detail dann eben doch nicht funktioniert. Wenn ein Preis gewonnen wird, wenn das ganze Team einen Pitch gewonnen hat.. es gibt immer irgendwen, der sich in den Vordergrund stellt. Manche wollen es ja auch einfach nicht.

Die spannende Frage, die wir uns derzeit stellen: MUSS es denn sein, dass es keine „Helden“ gibt? Oder ist das nicht doch von Team zu Team verschieden?

Viele Grüße
Ben

Olaf Hinz
Gast
Olaf Hinz

Natürlich „darf“ jeder Held sein bzw. einen im Team haben. Es ist nur wichtig zu wissen, welche Organisationsdefizite Helden typischerweise „überbrücken“.
Managementhelden werden von den Unternehmen angezogen, deren organisationale Kompetenz (Prozesse, Rollenmodelle und gelebte Führungskultur) unterentwickelt ist. Dort finden Helden die suboptimale Struktur, in der sie „Erfolge erringen“.
Das ist zwar tapfer, aber für das Unternehmen nicht klug. Es wird zwar eine hohe Bindung von Fachkräften (des Typus Held), aber keine Problemlösungsfähigkeit des Unternehmen selbst erreicht.
Helden sind Pflaster – aber wirksame Führung braucht keine Helden
http://www.manager-magazin.de/lifestyle/artikel/a-812357.html

Franja Vienne
Gast
Franja Vienne

Sehr interessanter Artikel. Ich frage mich, wie das zum Beispiel mit dem Thema Gehälter zusammenpasst. Wenn es kontraproduktiv ist, in Einzelleistungen zu denken und zu bewerten, wie fügen sich dann unterschiedliche Gehälter in diesen Gedankengang ein: Neben anderen Funktionen schreiben sie auch ganz grundsätzlich einen Unterschied fest und definieren ausdrücklich verschiedene Werte. Wie ließe sich damit gut umgehen?