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Die Zukunft der Mobilität

Welche Zukunft wünscht Du Dir – und was kannst Du dafür tun?

Als Digitalstratege, Unternehmer und Podcaster bin ich in den Themen der Neuen Wirtschaft schon lange unterwegs. Seit kurzem schreibe ich auf dem intrinsify Blog zu Themen wie Virtual Reality, Blockchain, Chat-Bots und AI und möchte damit Entscheidern und Gestaltern neue Technologien näher bringen, Möglichkeiten aufzeigen, Orientierung geben und Dich mit Fakten, interessanten Infos und einer Grundlage versorgen. Denn ich glaube, wenn ich die Zusammenhänge zwischen der Neuen Wirtschaft und diesen neuen Technologien aufzeige, kann ich so auch andere ermuntern, diese Welt mitzugestalten.
Da ich schon seit vielen Jahren sehr tief und fachlich in diesen Themen unterwegs bin kann es schonmal passieren, dass ich zu nerdig werde – und weil ich es liebe, mich mit anderen auszutauschen, hilft mir Lena Stiewe vom intrinsify Team dabei, je einen Schwerpunkt herauszugreifen und nicht völlig ins Technische abzudriften. 😉 Wir schauen also gemeinsam darauf, was Du jeweils wissen solltest und wie Dir ein Einstieg zu Themen gelingt – heute: Mobilität.

Die Zukunft der Mobilität: Welche Zukunft wünscht Du Dir - und was kannst Du dafür tun?

Bildnachweis: © Rakavaja – depositphotos.com

Lena: Male doch mal bitte ein Zukunftsbild, einmal positiv und einmal negativ: Wie könnte die Zukunft der Mobilität in Deutschland aussehen, wenn wir Chancen ergreifen oder wenn wir weiter die Entwicklungen verschlafen?
Bastian: Beide Bilder entwickle ich aus verschiedenen gesellschaftlichen, technologischen und persönlichen Trends. Uns muss bewusst sein, dass die Anforderungen an Mobilität extrem unterschiedlich sind.
Und noch was vorausgeschickt: Die meisten visionären Mobilitätskonzepte benötigen viele Datenpunkte und viele Nutzer. Die gibt es in Großstädten. Deswegen werden Mobilitätszukünfte oft verkürzt mit urbaner Mobilität dargestellt. Ich kenne keinen nennenswerten Mobilitätsdienstleister, der mit Shared Mobility Konzepten nicht in Metropolen startet.

Das Positivbild:
In meiner positiven Zukunftsvision ist es nicht mehr notwendig, dass jeder Haushalt ein eigenes Auto benötigt. Die „Utilisation“ – also die Auslastung – eines einzelnen Vehikels strebt von einigen Prozentpunkten auf 80%. Es werden insgesamt weniger Automobile produziert werden müssen.
Auch in den Speckgürteln können inzwischen viele Menschen auf ein Auto verzichten. Das wünschen sich wegen hoher Preise ja schon heute viele, ist aber anno 2018 aufgrund kaum sinnvoller Mobilitätskonzepte, die den Mobilitätsbedarf auffangen können, noch nicht nötig – dann schon!
Idealerweise habe ich auch in kleinen Städten Wahlmöglichkeiten von Individualmobilität (Car-Sharing, Scooter,) und geteilter Mobilität (z.B. autonome Taxen mit intelligenter Routenplanung).
Ich bin aber überzeugt, dass Mobilität immer ein Mittel zum Zweck sein sollte. Jeder gefahrene Kilometer belastet die Umwelt. Ob durch die Produktion oder den Betrieb. Vielleicht schaffen wir es ja doch noch innerhalb der nächsten 20 Jahre, dass remote-Meetings so intuitiv sind, dass wir weniger pendeln müssen. Davon hätten Schüler, Studenten und die arbeitende Bevölkerung was…

Das Negativbild:
Eine negative Zukunft der Mobilität würde für mich ein „Weiter So!“ wie jetzt bedeuten. Ich beobachte die Automobilbranche mit Interesse. Wann genau die Großen aufgewacht sind, kann ich nicht sagen (sind sie aber oder? :)).
Was ich aktuell allerdings oft beobachte ist, dass E-Mobilität als Antriebstechnologie DAS neue Ding sei. Das ist eine sehr industrielle Denke. Erst in Zusammenhang mit Daten, Vernetzung, Dezentralen Lademöglichkeiten, etc. entstehen ganz neue Mobilitätskonzepte.
Von außen betrachtet sehe ich bei den Deutschen wirklich beeindruckende neue E-Konzeptautomobile. Aber es sind Automobile. Ein Fahrer. Fünf Sitze. Mein Negativbild wäre demnach: Dasselbe wie heute nur elektrifiziert.

Lena: Welche Infrastruktur (Kabel, induktionschleifen, Satelliten, Kameras) braucht die positive Zukunftsvision, und wie viele Jahre wird allein das dauern?
Bastian: Für diese Frage bräuchtest du eigentlich ein Panel von mindestens zehn Experten aus verschiedenen Technologien und Sektoren :).
Ich beschränke mich mal auf zwei Punkte, die ich beobachte. Alleine im Bereich des Autonomen Fahrens gibt es unzählige verschiedene Ansätze. So setzt BYTON voll auf den zukünftigen Mobilfunkstandard 5G, um seine Vision von „Mobility-as-a-service“ umzusetzen.
2019 kommen die ersten Fahrzeuge mit LEVEL 3 Autonomie, die über Softwareupdates ab 2020 auf Level 4 aufgerüstet werden. Dazu werden tagtäglich neue Sensoren und Algorithmen entwickelt, die Automobile besser sehen lassen.

Der zweite Punkt: Die analoge Infrastruktur: Wir haben in Deutschland jetzt schon die Herausforderung, dass im Norden durch Windenergie oft mehr Energie vorliegt als benötigt wird. Im Süden läuft die Stromerzeugung durch Photovoltaik besser. Und dazu ist das noch schwer planbar. Trotzdem muss die Netzsicherheit gewährleistet sein. Wenn wir glauben, dass E-Mobilität ein relevanter Bestandteil der Mobilitätszukunft ist, haben wir vielleicht eine größere Aufgabe vor uns als die Energiewende.

Lena: Ist es vorstellbar, dass es aufgrund der autonom fahrenden Autos künftig getrennte Bereiche gibt, um Unfälle zu vermeiden? Einen für Fußgänger und einen für Fahrzeuge?
Vergleichbar mit Industriestraßen in der Shopflor-IT, wo sich bei Menschen in der Nähe die Maschinen sicherheitshalber abschalten? In dem Fall könnte es alle paar Minuten an Knotenpunkten Station en geben, wo eine Ringverbindung hält.
Bastian: Das ist sicher eine Möglichkeit für die Mobilität in der Stadt. Aber warum nicht so, dass überall Fußgänger laufen können und autonome Fahrzeuge müssen sich ihren eigenen Weg suchen und sich den Fußgängerströmen anpassen?
Auch eine unterirdische Mobilität ist möglich, wie Elon Musk es versucht. Das Schöne ist ja derzeit: Jede und Jeder kann ein Bild der Zukunft haben – wir wissen es aber einfach nicht.

Lena: Ist es denn noch geplant, dass man künftig selbst fährt? Also kann ich überhaupt noch selbst fahren, wenn ich das will? Und sollte ich das überhaupt, oder werden die, die nicht Beifahrer sein wollen, dann eher zum Sicherheitsrisiko?
Bastian: Im langfristigen Bild fährst Du wohl nicht mehr. Aktuell muss es gesetzlich aber einen Fahrer geben, der bei Unfällen haftet. Aber: Je mehr Autonomie insSystem Verkehr eindringt, umso besser für alle Beteiligten, da die Kommunikation zwischen technischen Agenten verlässlicher, umfänglicher und schneller ist, als zwischen zwei Individuen, die in unterschiedlichen Fahrzeugen sitzen.

Lena: Drohen bei Smart Cars wirklich ethische Entscheidungen im Falle eines Ausweichmanövers oder ähnliches durch die Programmierung?
Es wabern Horrorszenarien durch das Netz wie zum Beispiel, dass nach Lebensdauer der Verkehrsopfer entschieden wird, oder gar nach deren volkswirtschaftlichen Nutzen – Da scheint es mir realistischer, dass einfach nach dem Befehl „weiche im Falle nach rechts aus“, also vollkommen unethisch entschieden wird.
Bastian: Das berühmte Trolley-Problem. Eine ethisch korrekte Antwort steht bis heute aus. Manche argumentieren, das solle zufällig geschehen. Andere, dass evaluiert wird, welcher Verkehrsteilnehmer am wahrscheinlichsten einen Fehler gemacht hat. Irgendwo habe ich mal von Ideen gehört, dass es verschiedene Fahr-Modi geben könnte: Der Egoisten-Modus, der Retter-Modus usw.
Bis dato ist es ja erst einmal ein theoretisches Problem und Denkspiel. Ich bin gespannt, ob das in der Praxis wirklich Relevanz erfahren wird und wer dann in der Diskussion beteiligt sein wird.

Lena: Ein Unternehmen, das vor allem beim autonomen Fahren immer wieder genannt wird, ist Tesla – Was genau an Tesla ist eigentlich so smart und geht das noch smarter? Wie sehr machen neue Player wie Tesla oder Byton die Zukunft noch spannender?
Bastian: Bei Tesla spielt der Halo-Effekt von Elon Musk sicher eine große Rolle. Dennoch halte ich den Ansatz, dass es sich zum Beispiel bei Tesla um eine Tech- und nicht um ein Automobilunternehmen handelt, für ein passendes Denkwerkzeug.
In der alten Welt gab es alle paar Jahre neue Automodelle mit neuen Features. Teslaeigentümer erhalten über Softwareupdates dauerhafte oder temporäre Funktionen, wie mehr Reichweite, besserer Klimatisierung, effizienterer Energienutzung und vieles mehr.
Smart ist es deshalb, weil Tesla sich da der Software-as-a-Service Mechanik bedient. Features können auch gegen Aufpreise zugebucht und problemlos wieder abgeschaltet werden. Je nachdem, welchen Bedarf ich habe. Natürlich gibt es bei einem analogen Auto mehr Beschränkungen als in der reinen Software-Welt, aber die Entwicklung ist beeindruckend.

Lena: Wie wichtig ist bei diesen technologischen Sprüngen die Weichenstellung durch die Politik? Oder können smarte Unternehmen das Heft selbst in die Hand nehmen und Fakten schaffen?
Wie relevant ist hier die Stimme der Zivilgesellschaft?
Bastian: Weichenstellungen der Politik arten ja gerne in Incentivierungen aus, deren Zweck auch mal verfehlt wird. Dennoch ist ein verlässlicher Rechtsrahmen für die Beteiligten Akteure förderlich. Im Rahmen von Demonstrationsprojekten können Gemeinschaften verschiedener Unternehmen so etwas ja im gesicherten Rahmen ausprobieren. Wir machen so etwas z.B. für das Energiesystem der Zukunft mit Partnern wie Bosch Software Innovations GmbH, Siemens AG und weiteren. Das kann ich mir gut auch für neue Mobilitätskonzepte vorstellen.
Bei solchen Fortschritten ist aber auch die Stimme der Zivilgesellschaft relevant:
Wir können Einfluss darauf nehmen, mit welchem Tempo zum Beispiel bei behördlichen Genehmigungen gearbeitet wird, ob der Öffentliche Nahverkehr weiter ausgebaut werden sollte, wie nachhaltig und wie bezahlbar Mobilität für alle Gebiete weiter vorangetrieben wird.

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Geschrieben von

Blogauthor Bastian Wilkat intrinsify.me
Bastian Wilkat

Bastian Wilkat befasst sich als Investmentmanager der EWE AG mit digitalen Technologien und Geschäftsmodellen, die für den Konzern zukünftige Erlösquellen darstellen können. Dazu spricht er auch in seinem Podcast „Der Flaneur“ mit erfahrenen Gästen aus Wirtschaft und Forschung.

Wenn es die Zeit zulässt, ordnet er in Vorträgen, Panels und Artikeln die Auswirkungen der neuen Technologien für ein breiteres Publikum ein.

Bastian mag Kaffee, Gewichte und gute Ideen.

Erschienen am

Donnerstag, 6. Dezember 2018

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