Wir wollen keinen nutzlosen Bullshit machen

Ein Millennial spricht Klartext
Gadgets der Generation Y
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Ich schicke vorweg: Achtung Triggerwarnung! Das Folgende kommt etwas persönlicher daher als sonst, hat Ecken und Kanten und die eine oder andere Spitze schmeckt sicherlich nicht jedem. Ich hoffe, Du kannst neben meinem Bedürfnis mal Dampf abzulassen, in diesen Zeilen das lesen, was sie vorrangig sein sollen: ein Perspektivwechsel. Los gehts!

Ich bin ein Millenial, gehöre also der Generation Y an. Persönlich halte ich diese Generationenklassifizierung ja für ausgemachten Blödsinn. Aber wie das so ist in sozialen Systemen: Es werden Personengruppen Eigenschaften zugeschrieben und dann entspinnen sich darum Kommunikationen.
In diesem Fall steht die Zuordnung zur Gen Y dafür, dass ich wohl alles hinterfrage, technikaffin bin, lebenslang lernen will, intensiv arbeiten möchte, mich aber auch nicht überarbeiten will. Ich lehne Hierarchie ab, will nicht gegängelt werden, mein Können unter Beweis stellen und vor allem will ich eine sinnstiftende Arbeit. Das scheint mir bei der Beschreibung „meiner“ Generation sowieso das Wichtigste: SINN!

Doch was ist damit überhaupt gemeint? Ich habe mittlerweile das Gefühl, es handelt sich hier um ein eingefleischtes Missverständnis, um eine Vermischung und ein Narrativ um diese Zuschreibungen, das sich verselbstständigt hat und in eine gefährliche Richtung abzurutschen droht.

Natürlich suchen Menschen grundsätzlich nach Sinn im Leben, dieses Fass möchte ich hier aber gar nicht aufmachen. Gemeint ist mit dieser Beschreibung der Gen Y aber, dass wir einen Job machen wollen, der sinnstiftend ist. Das bedeutet: Wir wollen keinen nutzlosen Bullshit machen, der uns den lieben, langen Tag beschäftigt hält und für niemanden einen Mehrwert liefert.
Zumindest glaube ich, dass es das heißt, wenn ich mir die Gen Y so anschaue (und im Übrigen auch alle anderen Menschen, denn dass das jetzt etwas Neues „meiner“ Generation ist, bezweifle ich stark – aber geschenkt).

Und hier kommt das große Missverständnis: In meiner Wahrnehmung wird daraus nun gemacht, dass wir alle täglich die Welt retten wollen. Vielleicht will das der Eine oder die Andere AUCH, aber das ist hier nicht gemeint. Hier wird ein moralisch aufgeladener, tieferer Sinn mit sinnstiftend (im Sinne von wertvoll für jemand anderen, man könnte auch sagen wertschöpfend) vermischt. Und die Reaktion der Organisationen, im Kampf um unsere Arbeitskraft, ist, sich einen Purpose auf die Fahne zu schreiben.

Da kommt es auch gerade recht, dass man wohl feststellen kann, dass viele erfolgreiche Organisationen ein „Why“ – einen Purpose – haben. Das passt ja super zusammen! Ich kann also als Organisation einen Purpose definieren, diesen an alle Mitarbeiter kommunizieren, 2-3 bedeutungsschwangere Symbole und Veranstaltungen einführen und schwupdiwupp müssten die hartumkämpften Gen Yler ja bei mir Schlange stehen. Verallgemeinern wir das also schnell ein wenig unterkomplex: Purpose macht die Unternehmen erfolgreicher und die „neuen“ Arbeitnehmer glücklicher. Win-Win! Klasse! (Entschuldige die Polemik.)

Ignorieren wir dabei jetzt kurz die Tatsache, dass dabei eine Kausalität unterstellt wird, für die es keinen Beweis gibt, nämlich dass Organisationen dann erfolgreich sind, wenn sie einen Purpose definiert haben und der jedem Mitarbeiter auch bekannt ist. Hier wird schlicht Korrelation und Kausalität verwechselt. Selbst wenn es hier also einen ungerichteten (!) Zusammenhang gäbe (und nichts anderes ist eine Korrelation) – also einen Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und dem Vorhandensein eines Purpose, heißt das lange nicht, dass die Definition eines Purpose zu mehr Unternehmenserfolg führt.

Auch ist es völlig verrückt zu glauben, man müsse nur besonders viele Leute bei der Definition des Purpose beteiligen und/oder ihn anschließend ständig mantraartig vorbeten und überall einflechten, um eine Durchdringung der Organisation zu erreichen. Wenn überhaupt erreiche ich diese nur, wenn es irgendeinen Bezug der Mitarbeiter zum Purpose gibt. Wenn sie also spüren, dass sie mit ihrem täglichen Job einen Beitrag zur Erreichung dieses Purpose beitragen.

Ich versuche das mal aufzudröseln: Die Daseinsberechtigung einer Wirtschaftsorganisation ist es mindestens so viel Geld einzunehmen, wie sie ausgibt. Dies wird eine Organisation langfristig nur erreichen, wenn sie in irgendeiner Form Wert für Außenstehende schafft. Welcher Wert das ist bestimmt den Zweck der Organisation. Das kann zur Definition eines Purpose führen. Manche nennen das Commercial oder Corporate Purpose. Dazu kommt dann aber neuerdings auch oft noch ein Higher oder Collective Purpose, der soziale oder gesellschaftliche Fragen in den Vordergrund stellt. Das hat Vor- und Nachteile, je nachdem wie man da jetzt drauf schaut (s. PS). Moralisch gesehen finde ich das persönlich ganz gut, denn grundsätzlich freue mich über jeden Menschen und jede Organisation, die ihre gesellschaftliche Verantwortung erkennt. Aber das trägt nicht unbedingt dazu bei, dass ich meine Arbeit als sinnstiftend erfahre.

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Denn: Dass ich meine Arbeit persönlich als sinnstiftend empfinde, hat nichts damit zu tun, dass meine Organisation einen wohlklingenden Purpose hat, sondern lediglich damit, ob ich meinen Beitrag zum Unternehmenszweck erkennen kann. Ich will also merken, dass ich einen Unterschied mache. Das werde ich nur erkennen, wenn ich meinen Beitrag zur Wertschöpfung spüren kann. Und das erreiche ich über Marktnähe und nicht über einen moralisch aufgeladenen Sekundärnutzen.

Anders gesagt: Ich kann in einem absolut tollen Social Enterprise arbeiten, wenn das aber keine vernünftigen und passenden Strukturen hat und entsprechend Wertschöpfung nur sehr schwer stattfinden kann (wie bei sehr vielen alteingesessenen karitativen Organisationen ausgezeichnet zu beobachten), dann bin ich als Mitarbeiter frustriert, egal wie toll der Higher Purpose ist.

Ein anderes Beispiel: Vor ein paar Wochen war ich auf einem Festival. An Tag 2 kam (viel, viel, viel zu spät) der nette Herr, der die mobilen Toiletten geleert hat. Die bildliche Vorstellung des Desasters überlasse ich Deiner Fantasie, aber ich kann versprechen: wir waren ihm alle mehr als dankbar. Was will ich damit sagen? Der Mann hatte im wahrsten Sinne des Wortes einen echten Scheißjob und zwar ohne jeden Higher Purpose, aber ich verwette meinen rechten Arm, dass er abends mit einem echten Gefühl von Wirkung ins Bett gegangen ist.

Ich möchte nicht missverstanden werden. Ich glaube nicht, dass ein Purpose grundsätzlich schadet. Und gerade bei den Organisationen, die um einen solchen Purpose herum geboren wurden, gehört er ja zur DNA. Und vielleicht schafft ein neu definierter Purpose in der einen oder anderen Organisation ja auch wirklich einen Mehrwert. Aber es ist nicht nötig sich irgendwas aus den Fingern zu saugen, nur um sagen zu können, man habe ja jetzt auch „diesen Purpose“. Und: was er NICHT behandelt, ist das Sinnthema der Gen Y (und aller anderen Menschen).

Um noch deutlicher und ein bisschen persönlich zu werden: Nein, liebe Boomer, es ist nicht damit getan, mit euren dysfunktional organisierten Taylorismusbuden, jetzt ab und an mal ’nen Baum zu pflanzen und Purpose zu predigen und mich aber dennoch mit meinem Bullshitjob im Regen stehen zu lassen. Organisiert endlich Eure Organisation dynamikrobust, so dass ich einen Job machen kann, der Sinn stiftet. Nicht für irgendwen oder ein globalgalaktisches Ziel, sondern Sinn für den Kunden. Und erst recht, wenn wir uns als Organisation entschieden haben, noch ein weiteres soziales oder gesellschaftliches Thema anzugehen, erst recht dann will ich, dass wir das wirksam tun. Denn alles andere ergibt keinen Sinn, stiftet keinen Mehrwert und macht vor allem eins nicht: Spaß!

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Danke für den Artikel, er fasst ganz meine Meinung zusammen und sprich ein wenig aus meiner Seele.
 Auch in mir gibt es ein Konflikt zwischen meiner Wertevorstellung und der Performance, die ich im Job leisten muss/darf.

Hey Paulina,
danke Dir für Deinen Kommentar!
Ich würde sagen, eine Diskrepanz zwischen Deinen Wertevorstellungen und Deinem Job hast Du bei Eintritt in den Job selber gewählt (oder billigend in Kauf genommen)
Ob du zur Wirksamkeit kommen kannst oder nicht, das jedoch hat entscheidend damit zu tun, welche Strukturen in Deiner Organisation vorherrschen.
Im Extrem gesprochen: Wenn ich mich entscheide in der Rüstungsindustrie zu arbeiten, dann habe ich eine mögliche Diskrepanz zu meinen Werten bei Eintritt in das Unternehmen in Kauf genommen. Da kann ich nicht hinterher kommen und sagen, ich möchte jetzt das wir für Weltfrieden stehen.
Ob ich jedoch das Gefühl habe, mein Job nutzt irgendwem oder ob ich das Gefühl habe, den ganzen Tag nur Kreuzchen von A nach B in einer Exceltabelle zu schubsen, die sich hinterher keiner anguckt, das hat mit den Unternehmensstrukturen zu tun und wirkt sich auf mein Wirksamkeitsempfinden aus.
LG,
Elisabeth

„Um noch deutlicher und ein bisschen persönlich zu werden: Nein, liebe Boomer, es ist nicht damit getan, mit euren dysfunktional organisierten Taylorismusbuden, jetzt ab und an mal ’nen Baum zu pflanzen und Purpose zu predigen und mich aber dennoch mit meinem Bullshitjob im Regen stehen zu lassen. Organisiert endlich Eure Organisation dynamikrobust, so dass ich einen Job machen kann, der Sinn stiftet. Nicht für irgendwen oder ein globalgalaktisches Ziel, sondern Sinn für den Kunden.“ 

Schnörkellos die Wahrheit gesprochen, Arschbombe in den heißen Brei, statt drumherum gelabert.
Isso.

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