Wann ist ein Team ein Team?

Vier Eigenschaften echter Teams
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In vielen Firmen, vermutlich den meisten, wird im großen Stil Etikettenschwindel betrieben. Überall, wo eine Handvoll Kolleginnen und Kollegen gleichzeitig arbeiten, wird das Etikett „Team“ angebracht. Es wird suggeriert: Da arbeiten Menschen vertrauensvoll zum Nutzen der Firma zusammen. Wenn man wissen will, wie viele Teams ein Unternehmen hat, muss man nach dieser Logik nur die Kästchen unterhalb der Abteilungsleiter zählen, plus die Anzahl der Projekte (= Projektteams) und die Führungsebenen (= Führungsteams).

Die inflationäre Verwendung des Teambegriffs führt zu seiner vollständigen Entwertung. In der Unternehmenspraxis kann jede Ansammlung von Mitarbeitern „Team“ genannt werden, ohne offenlegen zu müssen, ob dort zusammen, nebeneinander oder gegeneinander gearbeitet wird.

Weil der Teambegriff in der Praxis ausgelaugt ist, werden zur Unterscheidung neue Begriffe eingeführt, zum Beispiel „Hochleistungsteam“ oder „Mannschaft“. Welcher Begriff in Deiner Organisation sinnvoll zu nutzen ist, kann ich von hier aus nicht sagen. Aber dass sich die Unterscheidung zwischen echten Teams und Nicht-Teams lohnt, steht außer Frage.

In der Beratungsarbeit erlebe ich, wie hilfreich es ist, einen klaren Blick auf die tatsächliche Struktur der Arbeit zu bekommen. Wo sind Wertschöpfungsteams oder Innovationsteams tätig? Wo sind Abteilungen oder Gremien aktiv? Das ist vor allem wichtig, weil Teams ganz besondere Sozialsysteme sind und andere Arbeitsbedingungen benötigen als andere Gruppen.

Echte Teams sind in der Lage, mit komplexen und unerwarteten Herausforderungen umzugehen, indem sie kreative Kommunikationsprozesse erzeugen, die die intellektuellen und emotionalen Ressourcen ihrer Mitglieder weitreichend einbinden. Jeder bringt ein, was er oder sie kann. Im Ergebnis sind die Fähigkeiten eines Teams größer als die Summe der Einzelfähigkeiten. Diese leistungsstarken Strukturen finden sich in allen Organisationen, aber nicht unbedingt dort, wo man behauptet.

Im Folgenden beschreibe ich vier Tipps, die Dir helfen, echte Teams von Scheinteams zu unterscheiden.

1. Folge den Spuren der Arbeit

Echte Teams zeichnen sich dadurch aus, dass eine überschaubare Anzahl von Menschen eng zusammenarbeitet, die sich gegenseitig für den gemeinsamen Erfolg brauchen. Eine Leitfrage ist also: Wer arbeitet mit wem tatsächlich zusammen, um eine Kundenleistung zu erbringen? Dabei darf man sich nicht von formalen Organisationseinheiten ablenken lassen. Häufig besteht ein echtes Team aus Mitgliedern unterschiedlicher formaler Teams oder Abteilungen. Oder es ist nur eine Teilmenge eines formalen Teams. Nicht selten agieren Teams auf der Hinterbühne der Organisation, im Schatten des Informellen.

2. Entdecke den gemeinsamen Zweck

Teams verfolgen einen Zweck. Sie sind sachorientierte Systeme. Ihre Kommunikation dreht sich um das Lösen bestimmter Probleme bzw. die Verfolgung geteilter Ziele. Dabei kommt es nicht darauf an, welchen Zweck sich ein Team formal gibt oder von außen erhält. Die offiziellen Selbstbeschreibungen in PowerPoint oder im Unternehmens-Wiki können ignoriert werden. Die Frage ist, um welchen Zweck sich die Teamkommunikation tatsächlich dreht. Woran macht das Team Fortschritt und Erfolg fest?

3. Lausche der Kommunikation

Die Kommunikation in Teams ist durch Abwesenheit formaler Hierarchie geprägt. Es findet ein scheinbar freier Austausch von Ideen und Widersprüchen statt. Es etabliert sich eine Teamkultur, die diese Sicherheit des freien Austauschs für alle erwartbar macht. Dabei wird die Einzigartigkeit aller Teammitglieder anerkannt.

4. Beobachte die Entscheidungsfindung

In Teams gibt es kaum formale Strukturen und Regelungen, die für die Entscheidungsfindung relevant sind. Es besteht ein Raum für situative, informelle Führung. Mal folgt man den Ideen der einen Person, mal den Ideen einer anderen. Es spielen sich informelle Strukturen ein, welche für dieses eine, konkrete Team mit diesen Mitgliedern und den aktuellen Herausforderungen funktional sind.

Deine Auswertung

Zu welchem Schluss kommst Du, wenn Du Dir die Teams in Deiner Organisation anschaust? Wo gibt es Teams im oben beschriebenen Sinne? Haben diese Teams günstige Bedingungen oder können sie nur im Verborgenen wirken?

Die Identifikation von Teams birgt den Vorteil, sie vor Überregulierung schützen zu können. Und es hilft, keine falschen Erwartungen an „Teams“ zu haben, die tatsächlich gar keine Teams sind – und häufig auch gar keine sein können.

Wie ist das mit der „Führungsmannschaft“ oder dem „Geschäftsleitungsteam“? Gerne werden auch solche Gruppen als Teams bezeichnet. Aber agieren sie wie ein Team? Falls nicht, liegt es wahrscheinlich nicht an den Personen, sondern an den zugrunde liegenden Strukturen. Silodenken kommt von Silos, nicht vom Denken.

Mit anderen Worten: Damit Teams entstehen können, müssen die richtigen Bedingungen herrschen. Und an denen können wir arbeiten.

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Wo ist hier eigentlich der *like* Button???
(Oder wäre das zu viel „Lob“ 😉

Toller Artikel!

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